18/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Leysin

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Polit. Gem. VD, seit 1798 Bez. Aigle. Am rechten Ufer der Grande-Eau gelegen, befindet sich L. am Fuss der Tour d'Aï und der Tour de Mayen auf einer Hochebene von 1260 m. Die Gem. umfasst neben dem Dorf L. die Weiler Veyges, Feydey, Aï und Mayen. 1231-32 Leissins, 1352 Leisins. 1313 61 Haushalte; 1850 415 Einw.; 1900 1'065 (mit Kurgästen); 1950 4'242 (mit Kurgästen); 1980 2'057; 2000 2'998. Im MA bildete L. einen Teil des Vizedominats Aigle und damit des Hauses Savoyen, das den Leuten von L. die Alpweiden von Aï und Mayen (14. Jh.) verpachtete. 1439 leistete Pétremand de Chivron dem Hzg. von Savoyen den Huldigungseid für 22 Männer des Dorfes. Unter bern. Herrschaft (1475-1798) war L. eine Mistralie der Vogtei Aigle. Nachdem sich die Einwohner L.s 1485 von den feudalrechtl. Bindungen befreit hatten, konnten sie 1520 einen Rat von zwölf prud'hommes wählen sowie eine Exekutive, bestehend aus einem Mistral, einem Statthalter, zwei Bürgermeistern und zwei Räten. 1445 bewilligte der Bf. von Sitten den Bau einer dem hl. Theodul und der Maria Magdalena geweihten Kapelle. 1528 erfolgte die Einführung der Reformation in L., 1702 wurde es eine eigene Kirchgemeinde. Nach erbittertem Widerstand gegen die Revolution erreichten die Einwohner von L. 1798, dass bern. Truppen die Gem. ein zweites Mal besetzten. Diese zogen sich aber am 5. März nach der Schlacht von La Forclaz zurück. Die Alpwirtschaft und der Anbau von Weizen, Leinen und Hanf wurden gegen Ende des 19. Jh. vom Kurtourismus verdrängt. Bereits 1764 war die aussergewöhnl. Lebenserwartung der Bewohner von L. aufgefallen, die Thomas Robert Malthus sogar in seiner Schrift "Essay on the Principle of Population" (1798) erwähnte. Im 19. Jh. reisten an Kretinismus, Rachitismus und ab 1873 an Lungenschwindsucht Erkrankte nach L. zur Kur. Das Grand Hotel wurde 1892 eröffnet, die erste Klinik für Knochentuberkulose 1903, in welcher der Arzt Auguste Rollier die Höhenkur und Heliotherapie praktizierte. 1875 wurde die Strasse von Le Sepey nach L. eingeweiht, 1897 die Zahnradbahn Aigle-L., die man 1915 bis zum Grand Hotel verlängerte. 1946 hielten sich rund 3'500 Kurgäste in bis zu 80 Sanatorien auf. Infolge der neuen Behandlungsmethoden mit Antibiotika nahm ab 1947 die Zahl der Kurgäste ab. Zwischen 1955 und 1962 mussten die Kliniken schliessen, doch wandte sich L. erfolgreich dem Sommer- und Wintertourismus zu. Zu diesem Zweck entstanden Gondelbahnen (1956 Berneuse), Skilifte, Ferienhäuser (ab 1958), Sportzentren und internat. Privatschulen. 1891-1976 wurde eine Wetter- und 1952-96 eine Schneestation vom Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos betrieben. Am Anfang des 21. Jh. verfügte L. ferner über mehrere sozialmedizin. Zentren sowie über eine Empfangsstelle für Asylbewerber.


Literatur
– L. Desponds, L.: histoire et reconversion d'une ville à la montagne, 1993

Autorin/Autor: Jean-Jacques Bouquet / MD