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Gryon

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Polit. Gem. VD, Bez. Aigle. Das Dorf liegt auf einem leichten Vorsprung auf ca. 1110 m zwischen den Schluchten der Gryonne und des Avançon. Im Osten erstrecken sich die Hänge der Les Chaux und der Barboleuse, im Norden ausgedehnte Wälder und die Alp Taveyanne. Die Grenze zu Bex im Westen wurde 1676 festgelegt. 1189 Griuns. 1850 403 Einw.; 1900 480; 1950 697; 2000 993. Im MA gelangte das Gebiet von G. durch Verkäufe und Schenkungen, wie jene des Peter von Griuns (1189), allmählich in den Besitz der Abtei Saint-Maurice. Unter Berner Herrschaft (1484-1798) nahm G. eine Sonderstellung ein: Die Abtei Saint-Maurice blieb im Besitz der Gerichtsrechte, Gericht wurde in G. gehalten, das Appellationsgericht war in Salaz. Das Dorf wurde von einer Gemeindeversammlung geleitet. Bis zur Reformation, die erst 1539 stattfand, gehörte G. zur Pfarrei Bex in der Diözese Sitten. Die vom 13. Jh. an erwähnte und später als ref. Kirche genutzte Johanneskapelle, deren Mauern und bis in die Spitze steinerner Glockenturm dem Dorfbrand von 1719 entgingen, wurde 1722-24 teilweise wiederaufgebaut. Ende des 17. Jh. eignete sich Bern für die Betreibung der Salinen die Wälder der Herrschaft Aigle an, was in G. zu heftigen Spannungen führte. Im 19. Jh. erfuhr die Region durch den Bau der Fahrstrasse (1857) und der Zahnradbahn (Bex-G.-Villars, 1900) eine Öffnung. Der Dichter Juste Olivier verbrachte seine letzten Jahre in G. Ihm folgten Sommertouristen aus Lausanne und Genf; das erste Ferienchalet stammt von 1860. Seit etwa 1900 gibt es auch Wintertourismus. Von den 1970er Jahren an hat sich auf der Alpe des Chaux ein Touristenzentrum entwickelt. Die 1901 über die Gryonne gebaute Brücke wurde 1980 erneuert.


Literatur
– M. Bonzon, G., 1964
– S. Valceschini, Albert de Haller, vice-gouverneur d'Aigle en 1762-1763, 1977, 62-72
Entre Gryonnes et Avançons, 1982
– M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988, v.a. 220 f.
– J.-C. Kollros et al., G., huit siècles et plus!, [1989]
– R. Moreillon, G., 1994

Autorin/Autor: Denyse Raymond / EM