24/04/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Blarer (von Wartensee)

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Die B. waren ursprünglich Bürger von St. Gallen. 1228-1330 befand sich der gesamte Stamm in St. Gallen, wo sich ein Zweig um das von Ulrich 1228 mitgestiftete Heiliggeistspital scharte, während der andere seinen Dienst am Hof des Abts versah. Von 1330 an verlagerte sich das Tätigkeitsgebiet der Fam. nach Konstanz, wo sie mit Leinwandhandel zu Reichtum gelangte. Politisch unterstrichen Ratsherren und Bürgermeister aus der Fam. diese wirtschaftl. Bedeutung. Einige Mitglieder des Konstanzer Zweigs nannten sich nach ihren Stammsitzen Liebburg (heute Gem. Oberhofen bei Kreuzlingen), Güttingen und Girsberg (heute Gem. Kreuzlingen). Die Reformation spaltete die Fam. in Konstanz in einen kath. Zweig, der bald ausstarb, und einen prot., dessen bekanntester Vertreter der Reformator Ambrosius ( -> 2) war. Dieser Zweig erlosch mit dem Major Philipp am 20.1.1865.

Die B. von Wartensee spalteten sich zwischen 1330 und 1363 vom Hauptstamm ab. Walter und Diethelm heirateten Töchter des Burgherrn von Wartensee (SG), und Walters Söhne Wilhelm und Erhart führten den Zweig weiter. Im 15. Jh. teilte sich dieser in die ältere Linie der B. von Wartensee und die jüngere Linie der B. von Wartensee-Kempten-Goldberg. Aus Letzterer wurde Ferdinand Michael 1636 von Ks. Ferdinand II. in den Reichs-, Banner- und Freiherrenstand erhoben. Auch die B. von Wartensee spalteten sich während der Reformation in einen prot. und einen kath. Ast (Diethelm -> 4). Der prot. Zweig starb 1868 mit Hans in Zürich aus. Eine Verlagerung des Zweigs von Wartensee ins Fürstbistum Basel fand mit der Wahl von Jakob Christoph ( -> 8) zum Basler Fürstbf. statt. Er holte seinen Bruder Wolfgang Dietrich ( -> 16) nach Pfeffingen, wo dieser 1583 Obervogt wurde. Dieses Amt, dem 1775 auch die Obervogtei Zwingen zugeordnet wurde, blieb bis zum Untergang des Fürstbistums in der Hand der Fam. 1607 errichtete Wilhelm, Domkustos von Basel und Propst von Saint-Ursanne, ein Fideikommiss, welches das Schloss in Aesch (BL) mit dazugehörigen Besitzungen umfasste und zum Stammsitz der Fam. machte. Die B. von Wartensee verbanden sich v.a. mit den Adelsfam. Rinck von Baldenstein, von Schauenburg, von Roggenbach, von Roll zu Bernau und von Rotberg. Schwere Schäden an Gebäuden und an der Bibliothek erlitt das Geschlecht im Dreissigjährigen Krieg. In der Revolutionszeit konnte aufgrund des St. Galler Bürgerrechts der Besitz der Fam. gerettet werden.

Vom späten 15. bis zur Mitte des 17. Jh. erlebte die Fam. ihre Hochblüte und dehnte ihren Machtbereich in nordwestl. Richtung aus (Ellwangen, Fürstbistum Basel). Elf geistl. Würdenträger lassen sich in dieser Zeit zählen. Danach erfuhr die Fam. bis zum Ende des 18. Jh. einen Niedergang. Ihr Wirkungskreis verlagerte sich vollends ins Basler Fürstbistum und in den südwestdt. Raum. Im 19. Jh. spielten die Brüder Jakob ( -> 9) und Anton ( -> 3) eine bedeutende Rolle bei den Trennungswirren und der Gründung des Kt. Basel-Landschaft.


Archive
– PrivA von B., Aesch (BL)
Literatur
– P. Staerkle, «Zur Familiengesch. der B.», in ZSKG 43, 1949, 100-131, 203-224
– J. Baumann, «Die B. von Wartensee und das B.-Schloss zu Aesch», in BHB 8, 1959, 72-91
Schweiz. Geschlechterbuch 12, 1-14

Autorin/Autor: Catherine Bosshart-Pfluger