16/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Cevio

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. TI, Bez. Vallemaggia. Das Dorf C., Hauptort des Kreises der Rovana, liegt am Zusammenfluss von Maggia und Rovana. Die Gem. umfasst zahlreiche Streusiedlungen. Bis 1858 gehörte auch Linescio zur Gem. C. 1335 Zevio. 1591 700 Einw. (mit Linescio); 1761 500; 1801 491; 1850 927; 1860 602 (ohne Linescio); 1900 398; 1920 326; 1950 504; 1970 562; 1990 413; 2000 497.

C. war stets Hauptort des Tals, Sitz der polit. Verwaltung und Versammlungsort der Einwohner. Hier befinden sich die Bezirksbehörden, die Sekundarschule und seit 1922 das Krankenhaus. Eine Dorfgenossenschaft (vicinia) ist erstmals 1230 belegt. Im 15. Jh. bildeten C., Cavergno, Bignasco und die Gemeinden des Valle di Campo die Landschaft (comunità) Rovana superior. Verschiedene hist. Bauten sind Zeugen vergangener Blütezeiten: das Gemeindehaus (Sitz der Landvögte), beeindruckende Bürgerhäuser, die der Fam. Franzoni gehörten, und zahlreiche Patrizierhäuser. Der heute fast aufgegebene Gemeindeteil Boschetto hat die Strukturen eines Bauerndorfes des 17. Jh. bewahrt.

Zur Erhaltung des kunsthandwerkl. und kulturhist. Erbes wurde 1963 im Palazzo Franzoni (heute unter Denkmalschutz) das Volkskundemuseum des Maggiatals eingerichtet. Die 1253 erstmals erw. Propsteikirche S. Giovanni Battista wurde im 19. Jh. umgestaltet. Sie spaltete sich vor dem 13. Jh. von Maggia ab und wurde Mutterkirche von Bignasco, Menzonio, Someo, Campo, Cerentino und Linescio. Diese lösten sich zwischen dem 15. und dem 18. Jh. von C. ab. Die Kirche Beata Vergine del Ponte in der Fraktion Rovana ist ein Kunstwerk des Barocks (1651) mit Stuckaturen, Malereien (Fresken von Isidoro da Campione) und bemerkenswerten Statuen. Das Dorf C. litt häufig unter Hochwasser; besonders furchtbar war die Überschwemmung von 1648. Jahrhundertelang lebten die Einwohner überwiegend von Ackerbau, Vieh- und (heute praktisch verschwundener) Waldwirtschaft sowie vom Granitabbau (Beola-Brüche). Viele emigrierten ins Veltlin oder nach Übersee. Heute sind die Erwerbstätigen fast ausschliesslich im 3. und im 2. Sektor beschäftigt.


Literatur
Il Comune, 1978, 73-93

Autorin/Autor: Daniela Pauli Falconi / GG