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Lodrino

Polit. Gem. TI, Bez. Riviera, die auf der rechten Seite des Flusses Tessin liegt. 857 Ludrini, 1193 Ludrino. 1850 534 Einw.; 1900 776; 1950 752; 1970 1'075; 2000 1'461. Überreste von Befestigungsanlagen deuten darauf hin, dass im 12. und 13. Jh. Adelsfam., vielleicht langobard. Herkunft, ansässig waren. Im MA umfasste L. auch den Weiler Prosito (13. Jh. Proxedrium); die im 13. Jh. belegte Pfarrkirche SS. Gervasio e Protasio war möglicherweise eine Eigenkirche. Prosito hatte Mitte des 15. Jh. wahrscheinlich denselben Status wie L. und Iragna. Die am Berghang gelegenen Ortsteile bildeten die Gemeinschaft de Monte Parli (1207), deren Zentrum die 1215 erw. Kapelle S. Martino di Monte Paglio war (ursprünglich Pfarrkirche SS. Placido e Sigisberto). Die ab 1375 bezeugte Hauptkirche S. Ambrogio geht auf einen rom. Vorgängerbau aus dem 11.-12. Jh. zurück. Die Seelsorge oblag im MA dem Propst von Biasca. Als der Hzg. von Mailand 1441 die Leventina an Uri abtrat, reorganisierte er seinen Besitz in der Riviera. Die Dörfer L., Prosito und Iragna wurden in ein herzogl. Vikariat eingegliedert, das ein von den Dorfgenossen gewählter Beamte leitete. In der Verwaltung sowie in zivil- und strafrechtl. Belangen erhielten die drei Dörfer weitgehende Autonomie, die in den Satzungen von 1450 und 1492 bestätigt wurde. 1496 schworen L., Prosito und Iragna den Eidgenossen die Treue.

In den vergangenen Jahrhunderten lebte die Bevölkerung von Ackerbau und Viehzucht, daneben bestand 1782-1869 eine Glasfabrik und vorübergehend etwas Textilindustrie. Für den Bau der Gotthardbahn nahmen zahlreiche Granitbrüche ihre Tätigkeit auf, von denen einige trotz eines starken und stetigen Rückgangs der Beschäftigten bis heute betrieben werden. 1939 wurde die sog. Lona-Linie (LOdrino-OsogNA) gebaut, eine 10 km lange Panzersperre mit 23 Befestigungswerken von nationaler Bedeutung; seit 1943 ist ein kleiner Militärflugplatz in Betrieb (heute auch als ziviler Hubschrauberlandeplatz). In den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. setzte in der Gem. eine starke Bautätigkeit ein. Es entstanden Wohnungen, Schulen (Primarschule und Oberstufe) und Sportanlagen.


Quellen
MDT, Serie 2
Literatur
L., 1966
– G. Chiesi, L., 1991
– F. Bernardi, G. Foletti, Le vetrerie di Personico e di L., 2005

Autorin/Autor: Giuseppe Chiesi / PTO