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Kissling, Richard

geboren 15.4.1848 Wolfwil, gestorben 19.7.1919 Zürich, kath., von Wolfwil. Sohn des Kilian, Landarbeiters und Bäckers, und der Theresia geb. Moll. ∞ 1875 Johanna Jenny Eich, aus Dresden, nach 14 Monaten geschieden. 1863-66 Bildhauerlehre bei Bildhauer und Zeichenlehrer Joseph Pfluger in Solothurn. Ab 1870 Weiterbildung im Atelier des spätklassizist. Bildhauers Lukas Ferdinand Schlöth in Rom, Kurse an der Accademia di San Luca, ab 1874 eigenes Atelier in Rom, 1883 Niederlassung in Zürich. In der noch in Rom für den Pariser Salon und die anschliessende Weltausstellung (1877 bzw. 1878) geschaffenen allegor. Gipsfigur "Zeitgeist" - mit diesem Thema beschäftigte er sich mehrfach - und in dem ersten Entwurf für das Alfred-Escher-Denkmal (Einweihung 1889) brachte K. Denkweisen und Werthaltungen der Gründerzeit zum Ausdruck, wie z.B. Fortschrittsglauben und Unternehmergeist. Die meisten seiner historist. Porträtbüsten und Statuen entstanden aus Aufträgen und Wettbewerben wie die Denkmäler des Wilhelm Tell in Altdorf UR (1892-95), des Joachim von Watt (Vadian) in St. Gallen (1895-1904), des Benedikt Fontana in Chur (1900-03) und des Freiheitshelden José Rizal in Manila (Philippinen, 1907-12). Daneben widmete er sich bauplast. Aufgaben wie den Karikaturen am Landesmuseum Zürich (1895) oder den Giebelfeldern der Bundeshauskuppel in Bern (1898) und schuf Grabmäler, u.a. für Johann Jakob Bachofen in Basel (1889) sowie für Gottfried Keller (1901) und Rudolf Koller (1907) in Zürich. K. verkehrte in der Dienstagsgesellschaft mit Arnold Böcklin, Gustav Gull und Alfred Friedrich Bluntschli. 1905 Dr. h.c. der Univ. Zürich. Ehrenbürger der Stadt Zürich sowie 1918 von Altdorf und Uri.


Literatur
Richard K., 1848-1919, Austellungskat. Uri, 1988
BLSK, 574 f.

Autorin/Autor: Erich Schenker