Chaillet [Gaudet, Quemin]

Neuenburger Patriziergeschlecht aus La Coudre (heute Gem. Neuenburg). Entgegen der langjährigen Meinung stammen auch die C. von Auvernier ursprünglich aus La Coudre. Erster bekannter Vertreter der Fam. ist der 1322 erwähnte Jacques. Die C. traten ab Mitte des 16. Jh. als Pfarrer hervor, vom frühen 17. Jh. an zudem als Offiziere in fremden, v.a. franz. Diensten (u.a. Jean-Frédéric -> 5) sowie als Magistraten. Während des Ancien régime brachte die Fam. regelmässig Staatsräte hervor: 1685-1765 hatten fünf Mitglieder dieses Amt inne (u.a. Jean-Frédéric -> 3, Jean-Frédéric -> 4, Jean-Henry -> 6).

Die bedeutendste der von La Coudre ausgehenden Linien war jene von Auvernier. Sie wurde mit Guillaume le Jeune begründet, der sich 1549 in Auvernier niederliess, und erlosch mit Charles (1831-1914). Die C. von Auvernier waren reich und unterhielten Heiratsverbindungen u.a. zu den Barrilier, Pury, Chambrier und Doxat. 1670 geadelt, spielten sie im 18. Jh. eine wichtige Rolle in Kirche und Staat. Einer ihrer Vertreter, Henri-David ( -> 1), war eine zentrale Figur im intellektuellen Leben Neuenburgs. Aus der Linie von Auvernier ging mit Guillaume (gestorben vor 1602) ein Neuenburger Zweig hervor, dessen Spuren sich um 1725 verlieren. Eine andere, direkt aus La Coudre stammende Linie war die der C. von Freiburg: Théodore (1629-81) zog nach Kerzers. Sein Enkel Samuel-Balthasard (gestorben 1723) liess sich in Murten nieder, wo es die Fam. dank vorteilhafter Ehen zu einem Platz unter den Freiburger Patrizierfam. brachte. Letzter Vertreter dieser Linie war Rodolphe-Nicolas (1785-1849). Von den C. von Freiburg stammte der Zweig von Arnex[-sur-Orbe] ab: Jean (gestorben 1747) erwarb 1746 die Herrschaft Arnex, die bei seinem Tod an seinen Bruder Henri-Nicolas ( -> 2) überging. Dieser kleine Zweig erhielt 1753 den Adelsbrief; er erlosch 1870 mit Frédéric-Louis.


Archive
– BPUN, Nachlass
Literatur
– A. Piaget, «Bull. bibliographique», in MN 41, 1904, 126 f.
– E. Allemann, La Coudre en familles: C., Ausstellungskat. Neuenburg, 1991

Autorin/Autor: Myriam Volorio Perriard / MF