• <b>Chiasso</b><br>Plakat für Toscani-Zigarren, 1959 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
  • <b>Chiasso</b><br>Das italienisch-schweizerische Strassenzollamt in den 1950er Jahren. Fotografie von  Christian Schiefer (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Fondo Christian Schiefer).

Chiasso

Polit. Gem. TI, Bez. Mendrisio. Grenzort zu Italien, der seit 1976 mit Pedrinate auch den südlichsten Ort der Schweiz umfasst. 1140 Claso. 1591 160 Einw.; 1685 315; 1769 455; 1801 479; 1850 1'265; 1900 3'700; 1910 5'722; 1920 5'439; 1950 5'744; 1970 8'868; 1980 8'583 (mit Pedrinate); 2000 7'720. Pedrinate: 1685 160 Einw.; 1801 197; 1850 276; 1900 436; 1950 493; 1970 458.

Geschichte und Entwicklung des Orts wurden stark von seiner besonderen Lage geprägt. In C. stand vermutlich eine Burg als Teil der Befestigungsanlagen Comos. C. gehörte als Vorstadt zu Como, bis es 1416 bei der Zuteilung der Pieve Balerna an die Rusca in deren Verwaltung integriert wurde. Die Höfe im Ortskern, im Besitz der Fam. Albrici, behielten jedoch ihre kaiserl. Privilegien, wie auch die Dorfgenossen von Boffalora, dessen masserie (Halbpachtbetriebe) und Mühlen im Besitz der Interlenghi waren. Pedrinate (1291 Pedrenate), auf dessen Alter röm. Funde bei der Kirche S. Stefano (1545 erwähnt, kirchlich noch im 17. Jh. zu Balerna gehörend) hinweisen, ist wie seine Fraktion Seseglio 1335 als Dorfgenossenschaft erw. (Pedernate e Sicylio). C. dagegen wurde vor 1552 Gemeinde; in den zeitgenöss. Dokumenten wird es als Clasio tabernarum ("C. der Tavernen") bezeichnet, was auf seine Funktion als Durchgangsort hinweist. Boffalora ist 1536 als Gem. erwähnt und blieb bis in die 2. Hälfte des 17. Jh. selbstständig. Erst nach 1657 bzw. 1677 wurden beide Gem. einem einzigen Gemeindevorsteher in C. unterstellt. Kirchlich gehörte C. zur Pieve Zezio (Como), von der es sich im Verlauf des 16. Jh. löste. 1888 wurde die Pfarrei C. definitiv abgetrennt, 1928 zur Erzpriesterei erhoben. Die Kirche S. Vitale, 1227 erstmals erwähnt, wurde 1934 neu erbaut.

<b>Chiasso</b><br>Plakat für Toscani-Zigarren, 1959 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
Plakat für Toscani-Zigarren, 1959 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Im 15. Jh. war C. für seinen Pferdemarkt bekannt, der nach der Angliederung an die Eidgenossenschaft und den Mailänderkriegen (Chiasserzug 1510) nicht mehr stattfand. Noch im ausgehenden 16. Jh. hatte C. im Vergleich zu anderen Gem. des Mendrisiotto sehr wenige Einwohner. Das Dorf lebte von seiner Funktion als Grenzort (Wirts- und Gasthäuser), den Erträgen aus der Landwirtschaft (welche die zumeist aus Como stammenden Besitzer -- Adelsfam. und Körperschaften -- den Bauern im Teilbau verpachteten) sowie von den Walk- und Papiermühlen. Zu diesen ersten gewerbl. Betrieben kamen im 19. Jh. Tabak- und Seidenmanufakturen hinzu. Das Aufkommen der Eisenbahn (Grenzbahnhof, Speditionshäuser, Grenzhandel) bewirkte einen wirtschaftl. und demograf. Aufschwung C.s: 1874 wurde die Linie C.-Lugano, 1876 diejenige nach Como eingeweiht. In der Folge wurden der internat. Bahnhof, 1925 das Zollfreilager eröffnet. Da das Gemeindegebiet begrenzt war, dehnte sich der Ballungsraum C. auf benachbarte Gem. aus; neues Bauland konnte durch die Kanalisierung der Flüsse Breggia und Faloppia gewonnen werden. Mit dem Wachstum des 3. Sektors nach 1950 wurde C. auch wichtiger Finanzplatz und wirtschaftl. Zentrum des Mendrisiotto, was eine starke Bevölkerungszunahme zur Folge hatte. Seit den 1980er Jahren ist jedoch eine Dezentralisierung im Gange: Bevölkerung und Arbeitsplätze, v.a. jene des 3. Sektors, verlagerten sich in Nachbargem., die als Wirtschaftsstandorte wettbewerbsfähig geworden sind und zudem eine höhere Lebensqualität bieten. Dies gilt auch für Pedrinate; trotz seines nach wie vor ländl. Charakters ist es zum Wohnvorort geworden. Seit einigen Jahren verfügt C. über ein reichhaltiges kulturelles Angebot: seit 1989 Chiassodanza (Tanzfestival), seit 1991 Festate (Festival der Weltmusik), seit 1997 Jazzfestival, 2001 Wiedereröffnung des 1935 errichteten Cinema Teatro (Filmvorführungen, Theater, Musik, Tanz). Für 2005 ist die Eröffnung des maxMuseo (Werke des Schweizer Grafikers Max Huber) vorgesehen.

<b>Chiasso</b><br>Das italienisch-schweizerische Strassenzollamt in den 1950er Jahren. Fotografie von  Christian Schiefer (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Fondo Christian Schiefer).<BR/>
Das italienisch-schweizerische Strassenzollamt in den 1950er Jahren. Fotografie von Christian Schiefer (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Fondo Christian Schiefer).
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Literatur
– I. Antognini, Pagine di storia chiassese, 3 Bde., 1958-59, (Nachdr. 1988)
– O. Camponovo, Sulle strade regine del Mendrisiotto, 1958 (21976)
– O. Camponovo, Sui sentieri del passato, 1966
– A. Bächtold, Toponomastica chiassese tra cronaca e storia, 1985
C. 2001: situazione, prospettive e proposte, 1990
– N. Ossanna Cavadini, C. fra Ottocento e Novecento, 1997

Autorin/Autor: Stefania Bianchi / CN