Capolago

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Mendrisio, seit 2009 Teil der Gemeinde Mendrisio. Eingebettet zwischen den Hängen des Monte Generoso und dem südl. Ende des Luganersees. 1591 100 Einw.; 1643 142; 1769 139; 1801 171; 1850 296; 1900 360; 1950 527; 2000 758. Obwohl es bereits 1296 eine Gemeinde war (Codelago), geriet C. erneut in Abhängigkeit von Mendrisio, dessen Adlige und Bürger noch im 16. Jh. dort Ländereien besassen. Dieselben traten 1372 an die Stadt Como einige Häuser ab, deren Untergrund zur Erweiterung der etwa 1365 im Auftrag der Visconti erbauten Burg diente. Im Lauf des 15. Jh. war die welf. Hochburg dem wechselhaften Geschick der Hzg. von Mailand ausgesetzt, die sie den Rusca und später den Sanseverino zu Lehen gaben. Sie wurde von den Franzosen besetzt und gelangte 1512 in den Besitz der Eidgenossen, die sie 1517 niederreissen liessen. 1416 wurde C. von Mendrisio losgelöst und der Pieve Riva S. Vitale angegliedert, doch blieb es bis 1587, als die Vizepfarrei (als monacaria bezeichnet, 1502 erw.) zur Pfarrkirche erhoben wurde, kirchlich mit dem Vikariatsbezirk Mendrisio verbunden. Die der hl. Maria Magdalena geweihte Kirche, die seit Beginn des 14. Jh. in den Quellen genannt wird, wurde im 16. und 17. Jh. erweitert und umgebaut (1968 restauriert).

Sein Erscheinungsbild und seinen Aufschwung verdankt C. seiner geogr. Lage und der Verkehrsentwicklung. Im SpätMA löste das Fischerdorf C. Riva S. Vitale als Lösch- und Ladehafen ab, und es entstanden hier einfache Gaststätten mit Übernachtungsmöglichkeiten. Diese Einkunftsquellen wurden ergänzt durch die Bebauung der wenigen Felder, die Ausbeutung der Wälder und die period. Auswanderung. Im 19. Jh. herrschte ein hitziges polit. Klima, das in den vom Risorgimento inspirierten Ausgaben der Tipografia elvetica (1830-53 in Betrieb) und im Anarchistenkongress von 1891 Ausdruck fand. Im 19. Jh. kamen neue Transportmittel auf, insbesondere nach dem Bau des Damms von Melide (1847). Die Nahrungsmittel- und die mechan. Industrie sind von der Eisenbahnlinie abhängig, der Tertiärsektor, in dem Ende des 20. Jh. die Mehrheit der Einwohner beschäftigt war, von der Zahnradbahnlinie C.-Monte Generoso (1890) und vom Bootsverkehr.


Literatur
– A.M. Redaelli, M. Agliati, La storia di C., 1991

Autorin/Autor: Stefania Bianchi / PO