Pfyffer

Fam. des Luzerner Patriziats, die sich in die Hauptzweige von Altishofen bzw. von Heidegg, von Mauensee, zu Neueck und von Wyher unterteilt. Stammvater war der Schneider, Tuchhändler und Krämer Hans (gestorben 1540) von Rothenburg, der um 1483 das Luzerner Bürgerrecht erhielt und ab 1489 im Gr. Rat, ab 1513 im Kl. Rat sass. Von seinen sieben Söhnen erreichten drei höhere polit. Ämter (Säckelmeister Leodegar, Schultheiss Jost -> 14 und Kleinrat Kaspar). Obwohl Jost und sein Neffe Ludwig ( -> 20) wegen ihrer Beteiligung am geheimen Pfyffer-Amlehn-Handel 1569 angeklagt wurden, konnte die Fam. ihre Machtposition mit Ludwig als Schultheiss weiter stärken. Um 1600 stellte sie gleichzeitig sieben Grossräte und sieben Kleinräte und baute diese Vertretung im 17. Jh. aus. Im Ancien Régime erreichte die Fam. fünfmal das Schultheissenamt ( -> 3, -> 10, -> 14, -> 15 und -> 20). Dank der Familiengrösse und der Verzweigung in mehrere Linien konnten die P. die einschränkenden Bestimmungen über die Ratszugehörigkeit umgehen. Dieser Umstand, die Solddienste und die Stellung als Pensionenausteiler begünstigten den Reichtum und die Vormachtstellung der P. Neben zahlreichen Offizieren in fremden Diensten (z.B. -> 5, -> 13, -> 22 und -> 26) stellte die Fam. 1652-1982 11 von 19 Kommandanten der päpstl. Schweizergarde in Rom, z.B. Franz Ludwig ( -> 6). In der Schweizer Armee erreichten Alphons ( -> 1) und Hans ( -> 9) führende Stellungen; beide waren zudem erfolgreiche Hoteliers. Kasimir ( -> 17) und Eduard ( -> 4) zählten im 19. Jh. zu den bedeutendsten liberalen Politikern Luzerns. Andere Mitglieder der Fam. waren in kulturellen und wissenschaftl. Belangen erfolgreich (z.B. -> 7, -> 11, -> 16 und -> 25).

Die Linien der Fam. nannten sich nach ihren Gütern: Ludwig ( -> 20) erwarb 1571 die Herrschaft Altishofen. Die Erbschaftsfolge als Majorat wurde 1839 aufgehoben und das Schloss 1859 verkauft. Derselbe Ludwig kaufte 1588 auch das Schloss Wyher (Gemeinde Ettiswil), das bis 1837 im Besitz der P. von Wyher und der P. von Altishofen blieb. Franz Heinrich P. von Altishofen erwarb 1664/65 die Herrschaft Heidegg (Schloss nahe Gelfingen), die einer neuen Linie ihren Namen gab und 1664-1700 sowie 1875-1950 zu ihrem Besitz gehörte. Die Insel und das spätere Schloss Mauensee (1605-10 erbaut) gehörten vom 16. Jh. bis 1640 mit Unterbrechungen ebenfalls zum Familienbesitz. Die Herrschaft Buttisholz wurde 1775 von der Fam. Feer als Fideikommiss an die P. von Altishofen vererbt, weshalb sich in der Folge die Kommissherren P.-Feer nannten. Schloss Buttisholz war auch zu Beginn des 21. Jh. noch im Besitz der Familie. Kaspar ( -> 18) erhielt 1559 von Kg. Franz II. einen Adels- und Wappenbrief, Jost ( -> 14) 1563 von Kg. Karl IX., Ludwig ( -> 20) 1566 von Ks. Maximilian II. und Jost ( -> 15) 1577 von Kg. Heinrich III.


Archive
– StALU, FamA P. von Wyher und P.-Feer, HerrschaftsA P. von Altishofen und P.-Feer
– SWA, Dokumentenslg.
– ZHBL, Nachlässe
Literatur
– A. Sautier, Die Familienfideikommisse der Stadt und Republik Luzern, 1909
– G. von Vivis, «Wappen der ausgestorbenen und der noch lebenden Geschlechter Luzerns», in SAHer 22, 1909, 20-28
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 389-398; 2, 756-773; 6, 480-506
– H. Marti, «400 Jahre Schloss Altishofen», in Heimatkunde des Wiggertals 29, 1971, 11-40, (mit Stammtaf.)
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
– G. Boesch, «Schloss Heidegg», in Heimatkunde aus dem Seetal, 55, 1982, 47-69
Altishofen 1190-1990, 1990
NDB 20, 368
– W. Hörsch, Schloss Buttisholz, 2005
– P.M. Krieg, Die Schweizergarde in Rom, 2006

Autorin/Autor: Markus Lischer