• <b>Meyer von Schauensee</b><br>Schloss Schauensee von Norden. Kupferstich von  David Herrliberger   in seiner "Topographie der Eydgnoßschaft", 1754 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Das aus einer Wehrburg des 13. Jahrhunderts hervorgegangene Schloss liegt im Süden von Kriens auf einer dreiseitig steil in die Talebene abfallenden Felsnase der Krienseregg. In der Ansicht ist die bauliche Entwicklung deutlich zu erkennen: Der älteste Teil ist der rechteckige Wohnturm in der Mitte, an den noch im 13. Jahrhundert der markante Rundturm rechts angebaut wurde. An ihn schmiegt sich die Schlosskapelle. Ratsherr Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee liess um 1750 den Wohntrakt links erweitern.

Meyer von Schauensee

Fam. des Luzerner Patriziats, die ursprünglich Meyer hiess. Nachdem das Schloss Schauensee bei Kriens 1749 als Erbe der Anderallmend an Franz Joseph Leonz (1695-1764) gelangt war, nannten sich dieser und seine direkten Nachkommen Meyer von Schauensee. Per Regierungsratsbeschluss von 1895 gab sich dann das ganze Geschlecht den Namenszusatz "von Schauensee". Die Geschichtsschreibung bezeichnete fälschlicherweise alle Mitglieder, die in der 2. Hälfte des 18. Jh. lebten, als Meyer von Schauensee, auch wenn diese nachweislich nie einen solchen Namenszusatz führten. Dies gilt insbesondere für die Brüder Bernhard( -> 1), Gerold ( -> 8) und Joseph Rudolf Valentin ( -> 10), aber auch für Franz Leonz ( -> 5), Johann Ludwig ( -> 9) und Wilhelm ( -> 16). Das Schloss Schauensee blieb bis 1963 im Besitz der Familie.

Als Stammväter kommen der 1406 ins Luzerner Bürgerrecht aufgenommene Hans Meyer oder der 1468 aufgenommene Gerber Clevi Meyer aus Mellingen in Frage. Die sichere Abstammung geht zurück auf den Pfister (Bäcker) Andreas Meyer, der 1523 Luzerner Grossrat wurde, und seinen Sohn Leodegar, Kleinrat ab 1581. Danach war die Fam. mit wenigen Unterbrechungen im Kl. Rat der Stadt Luzern vertreten und erreichte im Ancien Régime hohe polit. Ämter. Sie stellte allerdings nie einen Schultheissen. Im 16. Jh. spielte das Pfisterhandwerk eine wichtige Rolle. Von 1618 bis ins 19. Jh. beherrschten die M. (zusammen mit den Balthasar) als Faktoren der Mailänder Transportunternehmer Annoni die Luzerner Speditionsgeschäfte und gelangten zu Reichtum. Der 1757 errichtete Feer'sche Fideikommiss zugunsten der Primogenitur Fleckenstein ging 1802 an die M. über. Er umfasste ein Haus in Luzern und einen Hof in Weggis, wurde später aber auf das Schloss Schauensee übertragen. Im 19. Jh. betrieben Xaver (1769-1829) und seine Söhne Buchhandel und Buchdruck. Sie begründeten u.a. den "Luzerner Hauskalender" (seit 1801, sog. Meyer-Brattig) und das "Luzerner Tagblatt" (1852-1991). Aus der im 18. Jh. aufklärungsfreundl. Familie sind neben dem bereits erwähnten Politiker Joseph Rudolph Valentin und dem Musiker Franz Joseph Leonti ( -> 4) auch Geistliche anzuführen: neben den oben genannten Wilhelm, Gerold und Bernhard auch Ludwig ( -> 11) sowie Ludwig Rudolf ( -> 13). Mehrere Mitglieder machten eine militär. Karriere, so die franz. Generäle Maurus ( -> 14) und Friedrich Fridolin ( -> 7) oder die Kommandanten der päpstl. Schweizergarde Franz Leopold (1803-60) und Leopold (1852-1910). Mit den Juristen Ludwig Plazid ( -> 12), Renward ( -> 15) und Plazid (1850-1931) war die Fam. auch im 19. Jh. noch in führenden Positionen vertreten.

<b>Meyer von Schauensee</b><br>Schloss Schauensee von Norden. Kupferstich von  David Herrliberger   in seiner "Topographie der Eydgnoßschaft", 1754 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Das aus einer Wehrburg des 13. Jahrhunderts hervorgegangene Schloss liegt im Süden von Kriens auf einer dreiseitig steil in die Talebene abfallenden Felsnase der Krienseregg. In der Ansicht ist die bauliche Entwicklung deutlich zu erkennen: Der älteste Teil ist der rechteckige Wohnturm in der Mitte, an den noch im 13. Jahrhundert der markante Rundturm rechts angebaut wurde. An ihn schmiegt sich die Schlosskapelle. Ratsherr Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee liess um 1750 den Wohntrakt links erweitern.<BR/>
Schloss Schauensee von Norden. Kupferstich von David Herrliberger in seiner "Topographie der Eydgnoßschaft", 1754 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Archive
– StALU, Schlossarchiv M. und PrivA Bell
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 3, 265-271
– F. Blaser, Die Luzerner Buchdrucker des 19. Jh., 1974
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
– H. Wicki, «Luzerner Patriziat in der Krise», in Gfr. 145, 1992, 97-114
– P. Schnider, Fabrikindustrie zwischen Landwirtschaft und Tourismus, 1996
– V. Baumer-Müller, «Joseph Rudolph Valentin Meyer (1725-1808)», in JbGL 24, 2006, 9-48

Autorin/Autor: Markus Lischer