Fleckenstein [von]

Luzerner Patrizierfamilie. Der Familienname veränderte sich in der 2. Hälfte des 15. Jh. von Wetzel über Wetzel, genannt F. bis hin zum alleinigen Namen F. (ab Mitte des 17. Jh. auch von F.). Eine Verwandtschaft oder ein Dienstverhältnis zu der elsäss. Familie F. ist nicht nachweisbar. Die Fam. Wetzel war vermutlich aus dem Elsass nach Basel eingewandert. Stammvater der Luzerner F. war der Fuhrmann, Weinhändler und Wirt zur Sonne am Weinmarkt Clewi Wetzel, genannt F. Erstmals 1454 in Luzern erwähnt, wurde er 1476 Luzerner Bürger und gelangte schon 1489 in den Gr. Rat. Mit seinem Sohn Heinrich ( -> 2) erreichte die Fam. ab 1522 den Kl. Rat und war dort meist mehrfach vertreten. 1535-1664 bekleideten Vertreter dreier aufeinander folgender Generationen der F. das Schultheissenamt (insgesamt fünf Schultheissen). Noch Mitte des 18. Jh. stellten die F. fünf Gross- und zwei Kleinräte. Zu Beginn des 19. Jh. wurden Franz Xaver und Christoph ( -> 1) in den Regierungsrat gewählt. 1629-52 besetzten die F. zweimal die Stelle des päpstl. Garde-Kommandanten in Rom, im 18. Jh. leisteten mehrere Familienmitglieder in Frankreich und in der Garde in Lucca Dienst. Im Familienbesitz befanden sich im 16. Jh. das Schloss Zufikon bei Bremgarten (AG), 1588-1647 Wartensee (Gemeinde Neuenkirch) und 1618-64 Heidegg (Gemeinde Hitzkirch). Letzter männl. Vertreter war vermutlich der in Marseille wohnende Angèle August (erw. 1873). An den F. lässt sich wie auch an den Pfyffer beispielhaft der Aufstieg eines Geschlechts in der Stadt Luzern im 16. Jh. verfolgen. Über den Wirteberuf, Weinhandel und später Tuchfabrikation und -handel gelangten sie rasch zu wirtschaftl. und polit. Einfluss.


Literatur
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
– J. Wiget, Wirtschaft und Politik im spätma. Luzern, 1978

Autorin/Autor: Markus Lischer