Balthasar [von]

Fam. des Luzerner Patriziats. Jörg, aus Peccia im Maggiatal, wurde 1544 Luzerner Hintersasse und erhielt 1547 das Bürgerrecht. Schon sein Sohn Wilhelm, Hauptmann der päpstl. Garde in Avignon, gelangte 1580 in den Luzerner Gr. Rat und 1590 in den Kl. Rat. Diese Sitze konnten das ganze Ancien Régime über gehalten werden. Ende des 18. Jh. hatten die B. nach den Pfyffer die zweitstärkste Ratsvertretung. 1702-71 stellte die Fam. mit Franz Niklaus Leonz ( -> 4), Jakob ( -> 7) und Johann Karl ( -> 10) zudem drei Schultheissen. In der 1. Hälfte des 19. Jh. wurden nochmals vier Mitglieder in den Kl. Rat bzw. Regierungsrat gewählt, näml. Felix ( -> 2), Franz Ludwig ( -> 3), Xaver ( -> 16) und Josef Anton Xaver -> 11). Die Fam. pflegte eine starke kaufmänn. Tradition: Im 17. Jh. als Krämer und Tuchhändler (Jost Dietrich -> 13) tätig, beherrschten die B. (mit den Meyer von Schauensee) von 1618 bis ins 19. Jh. als Faktoren der Mailänder Transportunternehmer Annoni die Luzerner Speditionsgeschäfte. Das Verlagshaus Balthasar und Falcini war das bedeutendste Luzerner Seidenunternehmen des 18. Jh. Seit 1939 ist die Fam. in Hochdorf in der Parfümerie- und Kerzenfabrikation (1997 grösste Schweizer Kerzenfabrik mit 45% Marktanteil) sowie im Drogerie-Grosshandel tätig. Relativ viele Angehörige schlugen die kirchl. Laufbahn ein (54 Ordenseintritte 1560-1800) und erreichten dort hohe Ämter, so Basilius ( -> 1), Hans Urs ( -> 6), Johann Anton ( -> 9), Maria Barbara Franziska ( -> 14) und Renée ( -> 15). Die B. gehörten im 18. Jh. in Luzern zu den kirchenpolit. aktiven, aufgeklärten Fam. und traten besonders mit den gelehrten Politikern Franz Urs ( -> 5) und Joseph Anton Felix ( -> 12) hervor. Der Heiratskreis umfasste noch bis zum Ende des 19. Jh. hauptsächl. die patriz. Fam. Luzerns. Zum Familienbesitz gehörte 1752-1808 die luzern. Herrschaft Tannenfels.


Archive
– StALU, PrivA B.
– ZHBL
Literatur
– A. Müller, «Um die Herkunft der Luzerner Patrizierfam. B.», in Schweizer Familienforscher 21, 1954, 35-38
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976

Autorin/Autor: Markus Lischer