Albertalli, Giovanni [Hans Alberthal]

geboren um 1575-80 Roveredo (GR) oder Eichstätt (D),gestorben um 1657 wahrsch. in Bratislava, kath., von Roveredo. Sohn des Pietro, Maurers. ∞ 1) Johanna NN, 2) 1631 Margaretha Chorolanza. Handwerkl. Ausbildung z.T. durch seinen Vater und wahrsch. bei Gilg Vältin. Um 1600 Bürger in Dillingen an der Donau (D), 1610 Hofarchitekt in Dillingen und Eichstätt, auch als fürstbischöfl. augsburg. Baumeister bezeichnet. A. baute u.a. 1607-09 die evang. Kirche Haunsheim (D) als eine der seltenen reinen Renaissance-Kirchen Süddeutschlands, 1610-17 die entwicklungsgesch. bedeutende Studienkirche Dillingen, 1617 wahrsch. die Schutzengelkirche Eichstätt, 1619-21 die Jesuitenkirche Innsbruck, 1619-28 St. Peter in Dillingen. Er baute dort auch Teile der Univ., entwarf Front und Turm der ehem. Hofkirche in Neuburg an der Donau und gestaltete Schloss Sigmaringen (D) um, teils als ausführender, teils als mitplanender Baumeister. Die letzten Jahre waren verdüstert durch Rückschläge (partieller Einsturz der Jesuitenkirche Innsbruck, Sanierung von St. Peter, mangelnde Aufträge wegen des Dreissigjährigen Krieges). A. wanderte nach Bratislava aus, wo er 1635-37 am Schloss und an einem Kloster arbeitete; hier verlieren sich um 1657 seine Spuren.

A. verhalf der klassizist. strengen "Augsburger Renaissance" des Kreises um Josef Heintz, Elias Holl und Mathias Kager zum Durchbruch; er war ein Wegbereiter des Frühbarock und prägte mit vielen Bauten das Stadtbild von Dillingen. Die Studienkirche wurde als eine der ersten frühbarocken Wandpfeiler-Kirchen zum Prototyp, dessen Vorbild bis nach Österreich, Tschech. Republik und Polen ausstrahlte und sich später zum sog. Vorarlberger Schema weiterentwickelte.


Literatur
– M. Pfister, Baumeister aus Graubünden -- Wegbereiter des Barock, 1993, (mit Werkverz.)

Autorin/Autor: Max Pfister