Torricella-Taverne

Polit. Gem. TI, Bez. Lugano, die aus den zwei Siedlungen Taverne und Torricella (mit dem Weiler Il Motto) besteht und am rechten Ufer des Vedeggio südlich des Monte Barro liegt. 1254 Torexella, 1437 Tabernas de Torexella, 1473 Torricella, Taverne. 1670 447 Einw.; 1801 411; 1850 512; 1900 587; 1950 741; 2000 2'704. Versch. Gräberfunde aus prähist., röm. und frühma. Zeit. Der in einer Urkunde aus dem Jahre 1354 erw. Ausdruck ad clausas Carvine lässt auf das Vorhandensein einer Befestigungsanlage in Taverne schliessen, die im FrühMA wahrscheinlich die nördl. Grenze der Besitzungen des Königshofs von Agnuzzo bildete. Auf einem langgezogenen felsigen Hügel stand früher eine Burg, von der Reste des Turms, der Zisterne und der Ringmauer erhalten sind. Trotz spärl. Überlieferung dürfte diese der Fam. Rusca gehört haben, die im 13. und 14. Jh. zahlreiche Güter in der Gegend besass. Auf dem Monte Barro an der Grenze zur ehemaligen Gemeinde Sigirino stand wahrscheinlich ein Turm, der das Befestigungssystem ergänzte. 1261 ist in Portici eine Hube des Bf. von Como bezeugt. Als wichtiger Durchgangsort auf der Nord-Süd-Achse (Strada Regina) verfügte T. über eine 1469 erw. Brücke und versch. Tavernen. Während der eidg. Herrschaft stiegen die Syndikatoren der regierenden Orte oft in dem Haus ab, in dem der Kastlan von Bironico, Cristoforo Rusca, 1469 Wohnsitz genommen hatte. 1799 schlugen die österr.-russ. Truppen des Generals Alexander Suworow in der Nähe von T. das Lager auf und lieferten einem Trupp Franzosen ein Gefecht. Kirchlich unterstand T. ursprünglich Agno. Die 1566 gebildete Vizepfarrei wurde 1615 selbstständig. Die 1361 erw. Kirche SS. Maurizio e Biagio ist älteren Ursprungs. Sie wurde in der 1. Hälfte des 17. Jh. um den Chor erweitert und 2002-03 letztmals renoviert. Land- und Forstwirtschaft waren früher die Haupterwerbsquellen; daneben emigrierten viele Bewohner als Bauleute (Maestranze). Zu Beginn des 20. Jh. standen in T. fünf Mühlen in Betrieb. Die Eröffnung der Eisenbahnstation mit einem kleinen Güterbahnhof, der Bau der Landstrasse und später der Autobahn A2 führten zur Niederlassung zahlreicher Industriebetriebe und Handelsfirmen. 1905 wurde in T. eine der grössten Reismühlen der Schweiz eröffnet, die 1957 vom Migros-Genossenschafts-Bund aufgekauft wurde. Im letzten Drittel des 20. Jh. wuchs die Bevölkerung von T. stark.


Literatur
– V. Gilardoni, Il Romanico, 1967, 574 f.
– G. Chiesi, F. Zappa, Terre della Carvina, 1991
Strada Regina: raccolta doc. (Valle Carvina, Alto Vedeggio), 2009 (BCMe)

Autorin/Autor: Bernardino Croci Maspoli / CHM