No 2

Obrist, Hermann

geboren 27.5.1862 Kilchberg (ZH), gestorben 26.2.1927 München, ref., von Zollikon. Sohn des Caspar, Arztes, und der Adligen Alice Jane Grant Duff, aus Eden (Schottland). ∞ 1898 Marie-Luise Lampe, aus Leipzig. 1867 zog die Fam. nach San Remo (Ligurien), 1870 nach Paris und kehrte im selben Jahr in die Schweiz zurück. Nach der Trennung der Eltern zog O. 1876 mit der Mutter nach Weimar. Er studierte 1885-86 in Heidelberg Naturwissenschaften und Medizin. Auf diversen Reisen während dieser Zeit erlebte er erste Visionen und fühlte sich zum Künstler berufen. Nachdem er sich 1887 zu einer Künstlerlaufbahn entschlossen hatte, besuchte er die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, erlernte kunstgewerbl. Techniken und absolvierte in Thüringen eine Bauerntöpfereilehre. 1889 erhielt er an der Weltausstellung in Paris eine Auszeichnung für seine Keramiken und Möbel. 1890 besuchte er in Paris die Bildhauerklasse der Académie Julian. Ein Jahr später zog O. nach Berlin und verdiente sich seinen Lebensunterhalt v.a. als Feuilletonist. Der Verkauf eines Brunnenmodells 1892 ermöglichte ihm den Umzug nach Florenz, wo er mit der Lausannerin Berthe Ruchet eine Stickereiwerkstatt eröffnete, die 1895 nach München verlegt wurde und bis 1900 bestand. Mit seinen ornamentalen Stickereien und Plastiken hatte O. in Deutschland zunehmend Erfolg. Er gehörte zu den Gründern der Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk und machte als Jugendstilkünstler Karriere. Mit Wilhelm von Debschitz und anderen Künstlern gründete O. 1902 in München die Lehr- und Versuch-Ateliers für angewandte und freie Kunst und leitete dort bis 1904 die Fachabteilung für Modellieren und Bildhauerei. Daneben entwickelte er eine rege Publikations- und Vortragstätigkeit und stand mit anderen Künstlern in Kontakt, u.a. mit Wassily Kandinsky.


Literatur
BLSK, 789-791
NDB 19, 406 f.
– D. Rinker, Der Münchner Jugendstilkünstler Hermann O. (1862-1927), 2001
Hermann O., Ausstellungskat. Zürich, 2009

Autorin/Autor: Annemarie Bucher