Sonvico

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Lugano, seit 2013 Teil der Gemeinde Lugano. S. liegt am Nordrand des Cassaratetals und schmiegt sich an einen der Bergkette der Denti della Vecchia vorgelagerten Abhang. Zu S. gehört auch der Ortsteil Dino; bis 1878 umfasste die Gemeinde auch Cimadera. 1146 Summo Vico, 1206 Somovico, dt. früher Sonvix. 1600 894 Einw.; 1643 842; 1670 775 (mit Dino, Villa, Cimadera und Fracchio); 1850 1'004 (mit Cimadera), 1900 815; 1950 1'004; 2000 1'600.

Auf die Eisenzeit zurückgehende Funde (Brandbestattung aus der frühen Golaseccakultur, Platte mit nordetrusk. Inschrift) bezeugen eine frühe Besiedlung des Gebiets. Bei San Martino stiess man auf röm. und langobard. Fundstücke (u.a. ein Frauengrab mit Kreuzfibel von ca. 650-700). Vom 9.-10. Jh. an bildeten S., Dino und Villa (heute Gemeinde Lugano) einen Hof (curtis), welcher der Kirche bzw. ab 1040 dem Benediktinerkloster S. Carpoforo in Como gehörte. 1326 schlossen sich die drei Nachbarschaften zur sog. Castellanza zusammen, zu der ab dem 16. Jh. auch Cimadera zählte. Die Siedlung S. war wegen ihrer strateg. Lage an der wichtigen Strasse, die Como mit Bellinzona verband, mit einem Mauerring und einem Kastell (vor 1326 erbaut, 1517 zerstört) versehen. Als befestigter Stützpunkt der Visconti und der Welfen war die Castellanza S. (Statuten von 1473) privilegiert und genoss als abgesonderte Gemeinde Steuer- und Zollbefreiung, die sie zu einem guten Teil auch unter der eidg. Herrschaft bewahrte.

Die Einwohner S.s waren nach Lugano kirchgenössig, bis sich der Ort 1419 von diesem trennte; die neue Pfarrei S. umfasste u.a. bis 1599 Cadro und Davesco-Soragno, bis 1830 Villa und bis 1878 Cimadera. Die 1375 erw. Propsteikirche S. Giovanni Battista wurde ab 1407 erneuert und zwischen 1780 und 1830 umgebaut (Aussenrenovation 1997-99). Die 1146 fassbare Kapelle S. Martino, die bis auf die 2. Hälfte des 7. Jh. zurückgehen dürfte, ist eines der ältesten Gotteshäuser der Region. Sie wurde um 1100 und in der 2. Hälfte des 14. Jh. erweitert. Die 1146 erstmals bezeugte Kirche S. Nazario in Dino ist für ihre rom. Fresken bekannt.

Die Bevölkerung betrieb in der Hauptsache Ackerbau (Roggen und Mais), Rebbau und Viehzucht. Viele Einwohner wanderten auch zeitweilig wie v.a. zahlreiche Maestranze oder für immer aus, ab dem 19. Jh. auch nach Übersee. Zu Beginn des 20. Jh. hatte S. dank der Eröffnung einiger Hotels vorübergehend auch tourist. Bedeutung. 1911-70 war die Regionalbahnlinie Lugano-Cadro-Dino in Betrieb. In den 1950er Jahren nahm der Bau von Wohnhäusern markant zu. 2000 waren vier Fünftel der Erwerbstätigen Wegpendler, v.a. in die Agglomeration Lugano.


Literatur
– G. Rovelli, La castellanza di S., 1927 (21983)
– M. L. Timbal, «Gli statuti di S. Dino e La Villa del 1473», in ZSG 25, 1945, 351-390
S., hg. von M. Cerri et al., 2005
ISOS TI 2.2, 2006, 427-439
– A. Moretti, Da feudo a baliaggio: la comunità delle pievi della Val Lugano nel XV e XVI secolo, 2006

Autorin/Autor: Antonio Gili / PTO