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Luginbühl, Bernhard

geboren 16.2.1929 (Hans Bernhard) Bern,gestorben 19.2.2011 Langnau im Emmental, konfessionslos, von Bern. Sohn des Hans, Metzgers, und der Elise geb. L. ∞ Ursi Maiacher, Keramikerin und Plastikerin. 1945-48 Lehre als Steinbildhauer in Bern, gleichzeitiger Besuch der Kunstgewerbeschule, 1949 autodidakt. Ausbildung zum Eisenplastiker, dann als Eisenplastiker, Aktionskünstler, Zeichner, Grafiker, Filmemacher und Tagebuchschreiber tätig. Seine erste Eisenplastik von 1949, ein aus Blech zusammengeschweisster Stier, zerstörte L. mit dem gesamten gegenständl. Frühwerk. 1953 fand er in der abstrakten Eisenkonstruktion zu einem eigenständigen Ausdruck, der ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der Schweizer Eisenplastik macht. L.s aus Fundstücken oder geschmiedeten Teilen kombinierte Plastiken lassen sich als Metamorphosen elementarer, oft tier. Lebensenergien verstehen. Sie verkörpern Aggressivität, Freiheitsdrang, Ungestüm, aber auch bedrohlich destruktive Kräfte. Zum Teil sind sie von enormer Grösse (der "Donauatlas" von 1977 ist 23 m lang) und verfügen über bewegl. Elemente. Ab 1975 arbeitete L. vorübergehend mit hölzernen Gussmodellformen, die er zu barock wuchernden Organismen zusammenbaute. Die späte Eisenplastik ab den 1980er Jahren entstand z.T. in Zusammenarbeit mit den Söhnen Brutus, Basil und Iwan. Als Filmer wandte sich L. energisch gegen die Zerstörung der Berner Bauernhäuser infolge der Verstädterung ("Kleiner Emmentalfilm" 1970). Ab 1976 führte er Verbrennungsaktionen durch, wobei grosse Holzkonstruktionen mit eingebauten Zündern und Feuerwerkskörpern nach einem kalkulierten Szenario Zeichen in den Himmel schrieben. 1998 eröffnete L. in Mötschwil einen Skulpturenpark, der in Form einer Stiftung einen Grossteil seiner monumentalen Grossplastiken öffentlich zugänglich macht.


Literatur
BLSK, 661 f.
– J. Hesse, Bernhard L., 2003

Autorin/Autor: Matthias Frehner