No 1

Lips, Johann Heinrich

geboren 29.4.1758 Kloten,gestorben 5.5.1817 Zürich, ref., evtl. von Kloten, ab 1797 von Zürich. Sohn des Hans Ulrich, Barbiers und Chirurgen, und der Elisabetha Kaufmann. ∞ 1796 Elisabeth Graf, von Winterthur. Durch seinen Lateinlehrer Leonhard Brennwald kam L. 1772 in Kontakt mit Johann Kaspar Lavater, der zu seinem Mentor wurde und ihm eine Ausbildung beim Maler Johann Kaspar Füssli in Zürich und beim Radierer Johann Rudolf Schellenberg in Winterthur ermöglichte. Mit Letzterem realisierte L. 1774-79 die Illustration von Lavaters Werk "Physiognom. Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und der Menschenliebe", die ihn in ganz Europa bekannt machte. Daneben arbeitete er auch für den Maler Johann Heinrich Füssli, für den er einige Kompositionen stach. Mit finanzieller Unterstützung Lavaters unternahm L. 1780-82 eine Studienreise durch Deutschland. 1782-89 hielt er sich hauptsächlich in Rom auf, wo er in der dt. Künstlerkolonie um Angelika Kauffmann, Johann Wolfgang von Goethe und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein verkehrte. Durch seinen Kontakt mit Goethe erhielt L. 1789 einen Ruf an die Freie Zeichenakademie in Weimar. Während dieser Zeit illustrierte L., der zu den begehrtesten und technisch versiertesten Grafikern zählte, Goethes und Friedrich Schillers Werke und porträtierte die Intellektuellen Deutschlands (u.a. Goethe, Christoph Martin Wieland, Immanuel Kant). 1794 kehrte er nach Zürich zurück. Ab 1801 nahm er regelmässig an den Ausstellungen der Zürcher Künstlergesellschaft teil. L.s Werk umfasst rund 1'400 Radierungen und Kupferstiche, einige Aquarelle, Gemälde, Zeichnungen und eine Lithografie. Auch ein reger Briefwechsel ist dokumentiert.


Archive
– Teilnachlässe in: KHZ (mit von L. verfasstem Werkkat.), ZBZ, Staatsbibliothek Berlin und Goethe-Museum, Frankfurt am Main
Literatur
Johann Heinrich L., 1758-1817, Ausstellungskat. Coburg, 1989
BLSK, 643-645
– H. Schärer, «Kindheit und Jugend des Klotener Kupferstechers Johann Heinrich L.», in ZTb 2006, 2005, 1-61

Autorin/Autor: Matthias Oberli