03/01/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 1

Graeser, Camille

geboren 27.2.1892 Carouge (GE),gestorben 21.2.1980 Wald (ZH), ref., von Carouge. Sohn des Eugène Camille, Papierwarenfabrikanten, und dessen zweiter Frau Emilie geb. Cailloud. ∞ 1936 Emmy Rauch. Ab 1898 (Tod des Vaters) wuchs G. in Stuttgart auf. Nach einer Schreinerlehre trat er 1911 in die Fachklasse für Möbelbau und Innenarchitektur an der Königl. Kunstgewerbeschule Stuttgart ein, wo er 1913 Meisterschüler von Bernhard Pankok wurde. In seiner Freizeit malte und zeichnete er in stark abstrahierender, vom Kubismus und Fauvismus beeinflusster Manier. 1917 eröffnete er in Stuttgart ein Atelier für Innenarchitektur, Werbegrafik und Produktgestaltung, das sich bald eines guten Rufes erfreute. 1918 wurde er in den Dt. Werkbund aufgenommen, an dessen Aktivitäten er rege teilnahm, so 1924 an der wegweisenden Ausstellung "Form ohne Ornament" und 1927 an der Einrichtung der Mustersiedlung Weissenhof in Stuttgart. Der Nationalsozialismus setzte dieser Karriere ein Ende. 1933 kehrte G. in die Schweiz zurück. Da er in Zürich kaum Arbeit als Designer fand, beschloss er, sich ganz der bildenden Kunst zuzuwenden. Ausgehend vom flächigen Purismus, den er kurz zuvor entwickelt hatte, fand er zu einer streng konstruktiven Gestaltungsweise, die er sowohl bei der Malerei und der Zeichnung als auch bei Reliefs und Plastiken anwendete. 1937 trat er der Künstlergruppe Allianz bei, was ihm zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland verschaffte. Nebenbei beschäftigte er sich weiterhin mit gestalter. Aufgaben. Ab 1950 zählte G. mit Max Bill, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse zu den wichtigsten Vertretern der konkreten Kunst in der Schweiz. 1964 erhielt er im Kunsthaus Zürich seine erste Museumsausstellung. 1969 nahm G. an der Biennale in São Paulo, 1977 an der Documenta in Kassel teil. 1975 verlieh ihm die Stadt Zürich ihren Kunstpreis.


Literatur
– R. Koella, Camille G.: Bilder, Reliefs und Plastiken, 1995, (Werkverz.)
BLSK, 421 f.
Camille G.: Design, Ausstellungskat. Hannover, Stuttgart und Zürich, 2002

Autorin/Autor: Rudolf Koella