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Disteli, Martin

geboren 28.5.1802 Olten, gestorben 18.3.1844 Solothurn, von Seewen. Sohn des Urs Martin, eines reichen Seidenwarenfabrikanten (1829 Konkurs), Anhängers der Patrioten, Unterpräfekten des Bez. Olten-Gösgen, und der Anna Maria geb. Kümmerli, Schneiderstochter. ∞ Theresa Gisiger, Bauerntochter. 1817 Kollegium in Solothurn, 1819-21 in Luzern, wo er der liberalen Studentenverbindung Zofingia nahe stand, ab 1821 Stud. der Geisteswissenschaften in Freiburg i.Br. und in Jena. Dort machte sich D. einen Namen als Karikaturist und stand ebenfalls mit liberalen Studentenkreisen in Verbindung. Weil er beschuldigt wurde, den Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe öffentlich verunglimpft zu haben, kehrte er 1823 in die Schweiz zurück. D. strebte in Olten eine Ernennung zum Gerichtsschreiber an, wandte sich dann aber der Kunst zu und liess sich 1825-26 bei Peter von Cornelius in München ausbilden. Nach Solothurn zurückgekehrt, verweigerte ihm die konservative Regierung die Ernennung zum Zeichenlehrer. 1829 gab D. mit "Umrisse zu A.E. Fröhlichs Fabeln" ein erstes Album mit zehn Radierungen heraus. Stilistisch war sein Werk beeinflusst von Cornelius und von Moritz Retzsch, ikonografisch vom Franzosen Jean Grandville. Die liberale Herrschaft in Solothurn, die 1831 einsetzte, verhalf seinen polit. (1831 Oltner Stadtrat), militär. (1834 Oberst) und künstler. Ambitionen (1836 Zeichenlehrer) zum Durchbruch. 1830-39 zeichnete D. für die "Alpenrosen", den populärsten Almanach der Schweiz, und versch. demokrat. Zeitschriften Karikaturen zu Aristokratie und Klerus sowie patriot. Szenen zur älteren und zeitgenöss. Schweizer Geschichte. 1839-44 gab D. den "Schweiz. Bilderkalender" heraus, der eine Auflage von bis zu 30'000 erreichte; mit dem nach ihm benannten "Distelikalender" führte er den Kampf gegen die Konservativen weiter bis zu seinem Tod.


Literatur
– G. Wälchli, Martin D., 1943
– L. Leitess et al., Martin D., 1977 (31981)
BLSK, 270 f.

Autorin/Autor: Philippe Kaenel / EB