28/10/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Flaach

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Halbagrarische Gem. am Rand der Schwemmebene südlich der Thurmündung. 1619 kam Oberdorf, 1775 Schloss Schollenberg und 1788 Ziegelhütte von Berg am Irchel zu F. 1044 Flacha (Urkundenkopie 1347). 1467 90 Erwachsene; 1640 577 Einw.; 1727 797; 1836 1'002; 1850 1'087; 1860 1'103; 1900 852; 1941 716; 1950 758; 1980 871; 2000 1'164. Das heute kompakte Dorf wuchs aus drei Siedlungskernen zusammen: Niederflaach gruppierte sich um die Pfarrkirche St. Nikolaus, die Mitte 12. Jh. erwähnt wird und bis 1544 bestand. Bedeutender war die 1275 bezeugte Pfarrkirche St. Georg in Oberflaach, bei der schon früh - darauf verweist der bis ins 18. Jh. benutzte frühma. Flurname Hächingen - eine Siedlung entstanden sein dürfte. Der dritte Kern, Oberdorf mit dem Hof Wiler, ist anhand der Spuren eines eigenen Zelgensystems und einer eigenen Allmend zu erschliessen. Oberdorf war ursprünglich wohl eine Aussensiedlung von Berg am Irchel, wo seine Bewohner auch bis 1619 kirchgenössig waren. 1544 wurden die Pfarreien Ober- und Niederflaach vereinigt. 1614 erfolgte der Bau einer neuen Kirche in Oberflaach auf einer anderen Parzelle; die Kollatur war schon nach der Reformation an Zürich gekommen.

Hochgerichtlich gehörte F. Ende des 13. Jh. zu Habsburg, die westl. Dorfflur als kyburg. Erbe, die östliche als Teil der Landgrafschaft Thurgau. Von Habsburg gelangten diese Rechte 1452 bzw. 1460 an Zürich. Schon 1298 hatte Kg. Albrecht die niedere Gerichtsbarkeit über F. und Volken dem Kloster Rheinau überlassen, das diese an lokale Adlige weiterverlieh (das Schloss F. wurde 1612 von dem Gerichtsherrn Tobias Peyer erstellt), bis Zürich 1694 auch diese Rechte kaufte.

In F. kreuzten sich die Nord-Süd-Achse Winterthur-Neftenbach-Schaffhausen, die im 19. Jh. gegen Osten verlagert wurde, und die Nebenroute Hettlingen-Rafzerfeld. Das Fährrecht über die Thur besass das Kloster Rheinau ab dem 14. Jh. Der Zürcher Zoll und die Rheinfähre nach Rüdlingen sind ab dem 17. Jh. zu fassen. Infolge seiner Lage entwickelte sich F., das gelegentlich auch als Flecken bezeichnet wurde, zu einem bescheidenen regionalen Zentrum. Die Bewohner von Volken waren ab 1610 nach F. kirchgenössig. Das ab dem 16. Jh. nachgewiesene Gemeindehaus hatte eine Richtstube sowie ein Tavernenrecht, das aber, im Gegensatz zu demjenigen der Herberge Zum Engel, beschränkt war. F. verfügte über eine obere und eine untere Mühle (im 14. bzw. 15. Jh. erw.) und im 18. über Metzgerei- und zwei Schmiederechte. Von den zentralörtl. Funktionen zeugen indirekt auch die zahlreichen repräsentativen Treppengiebel der wichtigsten Bauten.

1493 erwarb die Gem. den Mühlbergwald und 1510 den grössten Teil ihrer Allmend. 1556 zählte sie sechs Vollbauern mit ganzem Gespann und mehr als 15 Jucharten, 19 Bauern mit mittelgrossen Betrieben von 5-12 Jucharten, 14 Kleinbauern mit 1-4 Jucharten sowie 26 Tauner (ohne Oberdorf). Vom agrarisch genutzten Land waren 1780 61% Äcker, 16% Wiesen, 18% Wein- und 5% Baumgärten. 1787 waren 7% der Bevölkerung saisonal in der Baumwollspinnerei beschäftigt (Heimindustrie). 1873 wurde die Brücke über den Rhein, 1891 der Steg über die Thur erstellt. Die 1873 eingerichtete Reisepost durchs Flaachtal wurde 1921 motorisiert. Seit 1962 verbindet eine Postautolinie F. mit Berg am Irchel und Winterthur. Die Thurkorrektion 1855-61, die Sicherung des Rheinufers 1890 und die Melioration 1943-46 begünstigten eine Intensivierung der Landwirtschaft im Flaacherfeld, in dem in neuerer Zeit Spargel und Tabak als Sonderkulturen angebaut werden. Der Mitte des 19. Jh. einsetzende Bevölkerungsverlust wurde erst im letzten Drittel des 20. Jh. mit der Ansiedlung von Zuzügern aufgefangen, die in den Agglomerationen Zürich und Winterthur beschäftigt waren.


Literatur
– P. Kläui, Die Gerichtsherrschaft F.-Volken, 1932
– E. Imhof, P. Kläui, Atlas zur Gesch. des Kt. Zürich, 1951, 46 f., Taf. 21 f.

Autorin/Autor: Martin Illi