Jochberg

Die adlige Fam. J. taucht kurz nach 1500 fast gleichzeitig in Laax und Sagogn in politisch führender Stellung auf. Ihre Herkunft bleibt im Dunkeln; zu vermuten ist Aufstieg aus dem Bauernstand unter neuem dt. Namen oder Zuwanderung. Die beiden Brüder Hans und Alexander scheinen ein polit. Vakuum in der Gruob geschickt ausgenützt zu haben, nachdem Flims von den Capol und das Lugnez von einheim. Geschlechtern besetzt war. Hans ( -> 1) erhielt durch Wohnsitznahme in Sagogn und Erwerb des dortigen Schlossturmes Aspermont-Fraissen 1535 Zugang zum Landrichteramt, der höchsten polit. Würde des Grauen Bundes. Alexander, in Laax wohnhaft, wurde Ammann der Gerichtsgemeinde der Freien und, da Laax nicht zur Landrichterwürde berechtigte, "nur" Mitglied des Bundesgerichtes der Fünfzehn zu Trun. Beide Brüder besetzten auch Veltliner Ämter. Jochum und Gallus, zwei Söhne des Hans, amtierten als Landschreiber und als Podestaten im Veltlin. Conrad, vermutlich ein weiterer Sohn des Hans, liess sich in Obervaz nieder. An der Univ. Basel studierten 1554 Heinrich und Hans; Letzterer, Sohn des Jochum, war dreimal Landammann der Gruob. Der obgenannte Gallus, der ebenfalls eine humanist. Bildung genossen hatte, gelangte durch Heirat mit Catharina Ninguarda in Besitz der Herrschaft Löwenberg-Schluein. Er pflegte eine rege Korrespondenz mit Zeitgenossen und legte die im Bündner Staatsarchiv aufbewahrte wertvolle Jochberg'sche Urkundensammlung an. Die zwei gleichnamigen männl. Nachkommen des Jochum verlegten den Familiensitz nach Laax, besetzten dort das Ammannamt und dienten den Drei Bünden auf Gesandtschaften. Die Fam. kam zu Wohlstand durch den franz. Solddienst und durch Heiratsallianzen mit führenden Landesfamilien wie Rink von Baldenstein, Beeli von Belfort, Ninguarda, Mont, Marmels, Capol und Planta. Das polit. Wirken der beiden Linien zu Laax und Sagogn beschränkte sich auf den Zeitraum von 1520 bis 1620.


Archive
– StAGR
Literatur
– P.E. Grimm, Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. und 16. Jh., 1981, 229-231
– M. Bundi, «Die Fam. J. im Schloss Aspermont», in Casti Aspermont, hg. von W. Kuoni, 2002, 21-28

Autorin/Autor: Martin Bundi