• <b>Zollikofen</b><br>Das Schloss Reichenbach bei Zollikofen. Aquarell von  Albrecht Kauw,   1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Das Schloss gehörte bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts der Familie von Erlach. Kauws Gemälde zeigt den Zustand vor dem Neubau ab 1685 durch den späteren Besitzer Beat Fischer von Reichenbach.

Zollikofen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Bern, Verwaltungskreis Bern-Mittelland. Die auf Terrassen über der Aareschleife nördlich der Stadt Bern gelegene Agglomerationsgemeinde umfasst neben dem aus Unter- und Oberzollikofen zum Dorf zusammengewachsenen Z. Weiler, Hofgruppen und Einzelhöfe. 1257 Zollinchoven. 1764 255 Einw.; 1798 575; 1850 1'045; 1900 1'609; 1950 3'453; 1960 6'237; 1980 8'717; 2000 9'437.

<b>Zollikofen</b><br>Das Schloss Reichenbach bei Zollikofen. Aquarell von  Albrecht Kauw,   1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Das Schloss gehörte bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts der Familie von Erlach. Kauws Gemälde zeigt den Zustand vor dem Neubau ab 1685 durch den späteren Besitzer Beat Fischer von Reichenbach.<BR/>
Das Schloss Reichenbach bei Zollikofen. Aquarell von Albrecht Kauw, 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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In der Umgebung der seit prähist. Zeit begangenen Aarefurt zwischen der Engehalbinsel und Reichenbach wurden bronzezeitl. Gräber (Bernstrasse) und röm. Siedlungsreste (Fähre Reichenbach, Steinibach) gefunden. Das Gemeindegebiet gehörte zur ma. Freiherrschaft Bremgarten, die gegen Ende des 13. Jh. durch Verkäufe, u.a. von Z., Bühlikofen und Reichenbach, zweigeteilt wurde. Zwischen 1312 und 1346 erweiterte Ritter Rudolf von Erlach durch Zukäufe den Besitz zur Twingherrschaft Reichenbach im Umfang der heutigen Gem. Z. und liess die ummauerte Burg über der Aare erbauen. Bis 1530 blieb die Herrschaft in der Fam. von Erlach. Nach verschiedenen bernburgerl. Familien als kurzfristige Besitzer kam sie 1683 an Postmeister Beat Fischer, der anstelle der Burg ein hochbarockes Schloss errichten liess. Auch andere Stadtberner besassen in Z. ihre Landsitze. Die Herrschaft Reichenbach gehörte zur kyburg., ab 1406 bern. Landgrafschaft Burgund und bildete einen Teil des Landgerichts Z. Letzteres mit dem Landgerichtsplatz Z. umfasste den rechtsufrigen Aarebogen bis zur Emme. Verwalter des Landgerichts und des Militärwesens war in bern. Zeit der Venner zu Obergerbern. 1798 wurde die Gerichtsherrschaft aufgehoben. Kirchlich unterstand Z. dem Kirchspiel Bremgarten; erst mit dem Bau der ref. Kirche 1938-39 wurde Z. 1940 selbstständig. 1955 wurde ein Mormonentempel, 1958-59 die kath. Kirche St. Franziskus errichtet. Bis um 1830 bestimmten Weiler und Hofgruppen, neben Ober- und Unterzollikofen u.a. die Landgüter Bühlikofen, Waldegg, Tannengut und Reichenbach, das Siedlungsbild, aber auch die Agrarstruktur mit Ackerbau und Allmenden, die im 17. Jh. z.T. aufgeteilt wurden. Das Gewerbe konzentrierte sich auf Graben (Wirtshaus, Mühle, Gerberei, Walkerei), Reichenbach (Wirtshaus, Brauerei, Mühlen) und Oberzollikofen (Schmiede, Ziegelei). Auf der Rütti entstand im 19. Jh. das bis heute existierende landwirtschaftl. Ausbildungszentrum. Die ab Mitte des 19. Jh. erbauten Strassen und Bahnen machten aus Z. einen Durchgangsort. Die 1912 erstellte Strassenbahn Bern-Z. (1921-74 Solothurn-Z.-Bern-Bahn) gewann nach 1945 für die Pendler an Bedeutung. Zu Beginn des 21. Jh. war Z. durch zwei Vorortslinien des Regionalverkehrs RBS mit Bern verbunden. Parallel zu dem in den 1950er Jahren beschleunigten Bevölkerungswachstum setzte der Bauboom längs der Bernstrasse und ab den 60er Jahren mit den Quartieren Schweizerhubel, Klaymatte und Häberlimatte ein. Seit 1964 verfügt Z. über ein Gemeindeparlament von 40 Mitgliedern und seit 1975 über ein Betagtenheim.


Literatur
– B. Junger et al., Z., 1991
– R. Walker, Bauinventar der Gem. Z., 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler