• <b>Buol</b><br>Das Haus Buol in Chur, seit 1872 Sitz des Rätischen Museums (Foto Rätisches Museum, Chur).

Buol

V.a. im 15.-19. Jh. einflussreiche Bündner Aristokratenfamilie, die sich von Davos aus in Graubünden, in der Markgrafschaft Baden und in Österreich weit verzweigte. Der Name erscheint urkundlich erstmals 1340 (Ulrich von Bulen) in Davos. Die Genealogie der vermutlich walserischen Familie ist bis um 1470 ungenügend geklärt. Die Fam. B. stellte in allen drei Bünden Landammänner und Bundshäupter; sie war auch häufig in den höchsten Ämtern der Untertanenlande und in Bündner Gesandtschaften vertreten. Als Offiziere standen B. im 16. und frühen 17. Jh. in franz. Diensten, ab 1637 (Kettenbund) vorwiegend in span., aber auch kaiserl.-österr., im 18. Jh. (nach dem Span. Erbfolgekrieg) wiederum in franz., österr. und holländ. Sold. Heiratsbeziehungen zum Bündner Herrenstand bestanden im 16. Jh. u.a. mit den Beeli von Belfort, den von Hartmannis und Guler von Wyneck, im 17. Jh. auch mit den von Planta-Rietberg, von Schauenstein und Ehrenfels, Sprecher von Bernegg, von Ott, von Schorsch und Jenatsch, im 18. Jh. mit den von Salis und den Bündner Pestalozzi.

Ausgehend von Paul ( -> 10) verzweigte sich die ref. Fam. nach Churwalden, Chur, Bergün, St. Antönien, ins Schanfigg und Domleschg. Der Davoser Magistrat und Oberstleutnant Salomon (1549-1624), ein Enkel von Paul, erhielt vom franz. Kg. Heinrich IV. die Adelsbestätigung der Familie. Sein Sohn Meinrad ( -> 8) war Kampfgefährte Jörg Jenatschs. Die um die Mitte des 16. Jh. in der Gerichtsgem. Churwalden verbürgerten Zweige schafften den polit.-sozialen Aufstieg durch Güterkauf, Heirat und fremden Kriegsdienst. 1603 kam das Schlössli Parpan in Familienbesitz. Johann Anton ( -> 3) kaufte die Güter zu Strassberg und erwarb 1649 den Reichsadelsstand (Zuname "von Strassberg").

Sein Sohn Paul ( -> 11) wurde mit seinem Konfessionswechsel Stammvater der in kaiserl.-österr. Diensten (Kämmerer, Gesandte, Minister) aufstrebenden kath. Linie (Johann Anton -> 4, Johann Anton Baptista -> 5 und Rudolf Anton -> 12), die 1742 mit Johann Anton von den Schauenstein die Herrschaft Reichenau und das Adelsprädikat erbte. Karl Rudolf ( -> 7) residierte 1794-1833 als letzter Fürstbf. auf dem Churer Hof.

Zahlreiche der vom 16. Jh. an in Chur ansässigen B. waren im Stadtrat, in hohen Ämtern des Dreibündestaats oder standen als Offiziere in fremden, v.a. franz. Diensten. Stephan ( -> 13) erwarb das von Paul ( -> 11) um 1675 erbaute Buol'sche Haus in Chur (seit 1872 Rät. Museum). Der um 1500 entstandene badische Zweig der Davoser B., mit Bürgerrecht zu Kaiserstuhl, verzweigte sich u.a. in die freiherrl. Linien B.-Wischenau und B.-Berenberg. Diesen gehörten im 18. und 19. Jh. zahlreiche kaiserl.-königl. Geheimräte, Kämmerer und Offiziere sowie mit Frh. Rudolf von B.-Berenberg (1842-1902) ein badischer Kammerherr und Mitglied des dt. Reichstags (ab 1884, Zentrum) an.

<b>Buol</b><br>Das Haus Buol in Chur, seit 1872 Sitz des Rätischen Museums (Foto Rätisches Museum, Chur).<BR/>
Das Haus Buol in Chur, seit 1872 Sitz des Rätischen Museums (Foto Rätisches Museum, Chur).
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Archive
– StAGR, Nachlass
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 3, 77-92; 7, 63-72
– A. von Sprecher, Stammbaum der Fam. B., 1934 (21940)
– S. Färber, Der bündner. Herrenstand im 17. Jh., 1983
– P. Walser, «Drei Generationen der Davoser Fam. B.», in Bündner Jb., 1989, 145-150

Autorin/Autor: Otto Clavuot