• <b>Bavier</b><br>Porträt von Franz Bavier (1774–1822). Ölgemälde von Christian Gottlob Richter, 1817 (Rätisches Museum, Chur). Franz Bavier, ab 1807 Zunftmeister der Rebleute, repräsentierte diese im Grossen Stadtrat von Chur. Von 1814 bis zu seinem Tod war er einer von vier Regierungssekretären.

Bavier [von]

Churer Ratsgeschlecht. Die von Says zugezogene Fam. bürgerte sich mit Michael und Sylvester 1527 und 1528 in Chur ein. Sie stammte urspr. wohl aus Bayern und schrieb sich Pawier oder Bawier. Schon in der zweiten Generation gelang Hans ( -> 1) der Aufstieg in das Amt des Churer Bürgermeisters und Präs. des Gotteshausbundes. In der Folge war die Fam. stets im Rat vertreten. Zusammen mit den Tscharner stellte sie am meisten Bürgermeister. Andreas, Sohn von Hans, war Gesandter der Drei Bünde und erhielt 1610 von Ks. Rudolf II. ein Adelsdiplom samt Wappenbrief, wie eine Wappenscheibe von 1616 bezeugt. Bald darauf teilte sich die Fam. in fünf Linien, alle in Chur. Als Hauptleute standen die B. zunächst in venezian., dann in franz. und niederländ. Diensten. Die Fam. brachte ausserdem Veltliner Amtsleute, Rechtsgelehrte, Ärzte und Pfarrer hervor. Ihre wirtschaftl. Tätigkeit lag bis ins 20. Jh. schwergewichtig in Spedition und Handel, wozu im späten 18. Jh. das Bankgeschäft kam. So gehörte im 19. Jh. die Firma Simon und Johann Baptist Bavier zu den Mitbegründern der Bank für Graubünden. Zeitgemäss finden wir die B. nun als Ingenieure im Strassen-, Wasser- und Bahnbau, aber auch als Unternehmer im In- und Ausland.

Bereits um die Mitte des 18. Jh. hatte ein Franz als Erster eine Baumwollspinnerei in Sils im Domleschg errichtet und durch eine Weberei erweitert. Am Ende des 18. Jh. besassen die B. ein weit verzweigtes Baumwollgeschäft auf Verlagsbasis. Um die Mitte des 19. Jh. war die Fam. massgeblich an der Spinnerei Meiersboden AG in Chur beteiligt. Neben Handelsfirmen in Zürich und Marseille führten die B. ein Seidenhaus in Japan und Kohleminen in China. Politisch wirkten sie im Kantons- und Bundesparlament als Radikale. Mit Simeon ( -> 10) gelangte 1878 der erste Bündner in den Bundesrat. Obwohl sich manche Amtsträger mit dem Adelsprädikat "von" schrieben und sich mit den führenden Fam. wie den von Salis verheirateten, erwarben sie erst gegen Ende des 18. Jh. mit einem Anteil am Schloss Reichenau einen herrschaftl. Wohnsitz.

<b>Bavier</b><br>Porträt von Franz Bavier (1774–1822). Ölgemälde von Christian Gottlob Richter, 1817 (Rätisches Museum, Chur).<BR/>Franz Bavier, ab 1807 Zunftmeister der Rebleute, repräsentierte diese im Grossen Stadtrat von Chur. Von 1814 bis zu seinem Tod war er einer von vier Regierungssekretären.<BR/>
Porträt von Franz Bavier (1774–1822). Ölgemälde von Christian Gottlob Richter, 1817 (Rätisches Museum, Chur).
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Literatur
– E. von Bavier, Stammtabelle der adeligen Fam. von B. aus Chur in Hohenrhätien, 1892
Churer Stadtgesch. 2, 1993

Autorin/Autor: Max Hilfiker