• <b>Antonio Ciseri</b><br>Selbstporträt. Ölgemälde, um 1860 (Museo d'arte della Svizzera italiana, Lugano, Collezione Città di Lugano).

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Ciseri, Antonio

geboren 25.10.1821 Ronco sopra Ascona, gestorben 8.3.1891 Florenz, kath., von Ronco sopra Ascona. Sohn des Giovan Francesco, Dekorationsmalers, und der Caterina geb. Materni. ∞ Cesira Bianchini, Tochter des Gaetano, Mosaizisten, von Florenz. 1833 übersiedelte C. nach Florenz, wo der Vater und der Grossvater eine Werkstatt für Dekorationsmalerei führten. Die Anfangsgründe der Kunst wurden ihm von Ernesto Buonaiuti vermittelt, dann schrieb er sich an der Akad. der Schönen Künste ein, wo er Schüler von Pietro Benvenuti und Giuseppe Bezzuoli wurde. An der Akademie erhielt er versch. Anerkennungen für Werke hist.-religiösen Inhalts: 1840 gewann er den kleinen Preis für den freien Entwurf in Öl, 1843 den Dreijahreswettbewerb der Akademie. 1852 wurde C. zum Professor für den höheren Unterricht an der Akademie ernannt, deren Direktor ad interim er 1874-75 war. Seine eigene Malschule erhielt 1860 die offizielle Anerkennung. 1868 wurde er Mitglied des Obersten Rates für das Bildungswesen des ital. Staates (Consiglio superiore della pubblica istruzione). Zum Tessin bewahrte er enge Beziehungen: Während Jahren war er Mitglied und dann Präs. der Prüfungskommission der kant. Zeichenschulen. 1877 erhielt er die ital. Staatsbürgerschaft, die er wegen der übermässigen steuerl. Belastung durch die Eidgenossenschaft beantragt hatte.

<b>Antonio Ciseri</b><br>Selbstporträt. Ölgemälde, um 1860 (Museo d'arte della Svizzera italiana, Lugano, Collezione Città di Lugano).<BR/>
Selbstporträt. Ölgemälde, um 1860 (Museo d'arte della Svizzera italiana, Lugano, Collezione Città di Lugano).
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Von Anfang an widmete sich C. der Porträtmalerei, wobei er Bildnisse von erleuchteter Introspektion schuf; seine engagiertesten Werke sind aber die religiösen. Er erhielt wichtige Aufträge in Florenz, im Tessin und in Jerusalem, darunter das viel beachtete "Martyrium der Makkabäer" in S. Felicita in Florenz (1853-63), das an der Weltausstellung in Wien von 1873 mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde, und Werke für die Pfarrkirche Ronco und die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso in Orselina (für diese die "Grablegung Christi" 1864-70). Während der letzten zwei Jahrzehnte seines Schaffens führte er mehrere Gemälde im Auftrag von Ordensgemeinschaften aus; die ital. Regierung bestellte bei ihm "Ecce homo" (1870-91). Als Künstler von internat. Ruf gilt er als der Hauptvertreter der religiösen Malerei des 19. Jh. im Tessin. Nachdem C. sich vom romantisch-akadem. Ideal seiner ersten Kompositionen gelöst hatte, übernahm er in den Jahren der Reife einen realistischeren Stil. In diesem schuf er figurenreiche, formal vollkommene Szenen, die auf dem minuziösen Studium aller Einzelheiten beruhen; davon zeugen die zahlreichen Vorzeichnungen und Entwürfe.


Literatur
Omaggio ad Antonio C., 1821-1891, Ausstellungskat. Florenz, 1991, (mit Bibl.)
BLSK, 219 f.

Autorin/Autor: Letizia Schubiger-Serandrei / RG