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Magliaso

Polit. Gem. TI, Bez. Lugano. Nördlich des Magliasina-Deltas gelegen, entwickelte sich M. v.a. aus zwei Siedlungskernen. Der namengebende Teil liegt unterhalb von Kirche und Schloss an einer alten Verbindungsstrasse, der andere, Castellaccio, am Seeufer. 769 de Maliacis, 854 de vico Maliaci. 1591 12 Feuerstätten; 1668 20; 1696 129 Einw.; 1721 185; 1808 304; 1850 435; 1900 419; 1950 581; 2000 1'359.

Während der langobard. Epoche besass das Kloster S. Pietro in Ciel d'Oro von Pavia einen Hof in M. Über den Ursprung der alten, S. Quirico geweihten Kirche und der 1033 erstmals erw. Burg S. Giorgio ist urkundlich nichts bekannt. Auf Letzterer spielte sich die Gefangennahme des Bf. Landolfo Carcano ab, die den zehnjährigen Krieg zwischen Como und Mailand 1118--27 auslöste. Aus derselben Zeit stammt das Fresko am Turm, eines der wenigen schweiz. Zeugnisse rom. Profanmalerei. Um das 13. Jh. herum ging das Schloss in den Besitz eines Zweiges der Rusca von Como über. Karl Konrad von Beroldingen, Kanzler der Landvogtei von Lugano, erwarb 1668 die Herrschaftsrechte über das Dorf. Er liess die noch bestehende Pfarrkirche und auf den Burgruinen einen heute verfallenden prunkvollen Palast erbauen. Früher gab es in M. viele Einzelhöfe und entlang des Bewässerungskanals Mühlen, wie sie für die vorindustrielle Wirtschaft typisch sind. Die Gem. erlebte eine starke Auswanderung in die Lombardei, nach Südamerika und bis zum 2. Weltkrieg in die Innerschweiz. Der stets spärl. Besitz der Bürgergem. wurde 1863 endgültig veräussert. Zu Beginn des 21. Jh. waren weite Teile der Ebene und des Seeufers extensiv überbaut (v.a Wohnbauten). Vorherrschend ist der Dienstleistungssektor, die tourist. Infrastruktur blieb bescheiden. Das Landschaftsbild wird vom Seeufer, dem Gebiet am Fuss des Berges, aber auch dem Golfplatz geprägt.


Literatur
– E. Maspoli, Compendio storico di M., 1944 (21991)
– W. Meyer, Burgen der Schweiz 2, 1982, 43 f.

Autorin/Autor: Bernardino Croci Maspoli / CN