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Vorster, Pankraz

geboren 31.7.1753 Neapel, gestorben 9.7.1829 Muri (AG), kath., von Wil (SG) und Bütschwil. Sohn des Joseph Zacharias, Hauptmanns in neapolitan. Diensten, und der Gräfin Anna Maria Rosa Berni. Als Knabe zur Erziehung beim Verwandten Johann Thomas V., Pfarrer in Wittenbach und Grub (SG), 1771 Profess in der Benediktinerabtei St. Gallen, 1777 Priesterweihe. V. zählte zu den führenden Kräften in der Opposition des Konvents gegen Fürstabt Beda Angehrn, der ihn 1788 in die breisgauische Aussenbesitzung Ebringen versetzte. 1796 wurde V. zum Fürstabt von St. Gallen gewählt. Es gelang ihm nicht, die revolutionäre Bewegung im Klosterstaat zu unterdrücken. Nach dem Verlust der Landesherrschaft im Febr. 1798 fand V. über Umwege in Wien Zuflucht. Als im Frühjahr 1799 die österr. Truppen die Franzosen aus der Ostschweiz zurückdrängten, kehrte er in sein Kloster zurück. Er machte sich daran, die früheren Herrschaftsverhältnisse der Fürstabtei wiederherzustellen. Doch bereits nach vier Monaten gewannen die franz. Revolutionstruppen wieder die Oberhand, der Abt musste erneut fliehen. Während V. sich noch jahrelang erfolglos um die Wiederherstellung der Fürstabtei bemühte, schuf sein Gegenspieler Karl Müller-Friedberg, der bis 1798 ein hoher Beamter der Fürstabtei gewesen war, mit Unterstützung der Franzosen zielstrebig den neuen Kt. St. Gallen. Im Mai 1805 beschloss der Gr. Rat des Kantons die Aufhebung des Klosters. Allein gelassen in seinen Bestrebungen wurde V. vom Wiener Kongress weiter enttäuscht, der ihm indes eine grosszügige Pension zusprach. Von 1819 bis zu seinem Tod lebte er im Kloster Muri. In der Forschung wird V. vorgeworfen, er trage wegen seiner hartnäckigen Verweigerung des Verzichts auf die Landesherrschaft die Hauptverantwortung für den Untergang des Klosters auch als geistl. Gemeinschaft.


Archive
– StiA St. Gallen, Nachlass
Literatur
– A. Meier, Abt Pankraz V. und die Aufhebung der Fürstabtei St. Gallen, 1954
HS III/1, 1230-1232, 1348-1350

Autorin/Autor: Lorenz Hollenstein