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Gaisberg, Franz

geboren um 1465 Konstanz, gestorben 23.3.1529 Rorschach. Sohn des Anton und der Verena Hux, Tochter eines sehr reichen St. Galler Webers. Zwischen 1477 und 1482 Profess. 1488 als Priester erwähnt, 1496 als Subprior. 1498-1501 arbeitete er in der Lehenkammer des Stiftes St. Gallen, zu dessen Abt er 1504 aufstieg. Er baute die Strukturen des Klosterstaates zielstrebig aus und verfeinerte die Verwaltung (v.a. im Unterrheintal). Die unter G. neu geschaffene Verwaltungs- und Gerichtsorganisation blieb bis zum Ende der Fürstabtei im Wesentlichen bestehen. Notker der Stammler wurde unter ihm 1514 erstmals als "confessor minor" gefeiert, ein Ergebnis des Beatifikationsprozesses von Bf. Hugo von Konstanz 1513. G. förderte Kunst und Kultur; er liess Handschriften anfertigen und gab 1522 um 1'000 Gulden für die Tafelgemälde des Konstanzer Meisters Christoph Bocksdorfer im Münster aus. Für seine Eltern, die sich im Kloster verpfründet hatten, liess G. die nach ihm benannte Grabkapelle im Stift errichten. Im Rapperswiler Vertrag setzte er 1525 gegenüber den unzufriedenen Bauern die Rechtmässigkeit der fürstäbt. Landesherrschaft durch. Die 1529 in St. Gallen eingeführte Reformation bedrohte die Abtei in ihrer Existenz. G.s Tod auf Schloss Rorschach wurde so lange geheimgehalten, bis der nach Einsiedeln geflohene Konvent einen Nachfolger gewählt hatte.


Literatur
HS III/1, 1323-1325
Die Kultur der Abtei St. Gallen, hg. von W. Vogler, 31993
– P. Robinson, Die Fürstabtei St. Gallen und ihr Territorium 1463-1529, 1995

Autorin/Autor: Werner Vogler