Grancia

Polit. Gem. TI, Bez. Lugano. G. besteht aus vier Ortsteilen, darunter Campestro. Bis 1825 gehörte es zur Gem. Carabbia. 1309 in loco Grancie. 1670 115 Einw.; 1850 104; 1900 139; 1950 142; 1990 300; 2000 366. Am Ende des 13. Jh. ist in G. eine religiöse Institution belegt, die vom Kloster S. Maria in Torello (Gem. Carona) abhing. Laut Überlieferung war G. im MA der in der Region bedeutendste Speicherplatz für Korn, das in grosser Menge von Brusimpiano (Lombardei) hergebracht und in den Mühlen am Fluss des Pian Scairolo gemahlen wurde; in dieser Ebene gedieh auch Hirse. Die Kirche S. Cristoforo wurde im 16. Jh. wahrscheinlich auf den Fundamenten eines älteren Gotteshauses neu gebaut. Sie gehörte zusammen mit S. Siro von Carabbia zur Pfarrei S. Pietro in Pambio. 1608 lösten sich die beiden Pfarreien von Pambio, 1670 trennte sich G. auch von S. Siro. Im Dorf war die Landwirtschaft vorherrschend, im 19. Jh. nahm eine Ziegelei ihren Betrieb auf. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. siedelten sich in der Gewerbezone von G. zuerst Handwerker, dann Industrie und Engroshandel an, schliesslich der Detailhandel, was den Bau grosser Einkaufszentren mit sich brachte. Diese Überbauungen, der Autobahnabschnitt der A2 (1966) und riesige Tanklager beeinträchtigen Umwelt und Landschaft.


Literatur
– G. Sarinelli, Note storiche sulla parrocchia di S. Siro in Carabbia, 1911, 33-37
– G. Cambin, Armoriale dei comuni ticinesi, 1953, 76
HS I/6, 458; IV/2, 460 f.

Autorin/Autor: Antonio Gili / PTO