• <b>Gandria</b><br>Ansicht des Dorfes von Süden, um 1920 (Schweizerische Nationalbibliothek). Begrenzt vom Luganersee und vom steilen Abhang des Monte Brè entging Gandria im 20. Jahrhundert der Verstädterung innerhalb der Agglomeration des benachbarten Lugano.

Gandria

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Lugano, seit 2004 Teil der Gemeinde Lugano. Liegt am Luganersee, nahe dem Grenzübergang ins ital. Valsolda. 1237 und 1335 Gandrio. 1591 330 Einw.; 1643 205; 1696 182; 1769 155; 1801 147; 1850 und 1900 235; 1950 227; 2000 207. In der Nähe des Dorfes befinden sich errat. Blöcke mit schalenförmigen Vertiefungen aus dem Neolithikum. Im MA bestand G. aus einem oberen, heute verschwundenen, und einem unteren Teil (1335), der später Gandrio nova oder Vona (1450) genannt wurde. Bis 1750 hatte der Bf. von Como die Zehntrechte, die er als Lehen den de Coqui aus Como (1237-1428) und nachher lokalen Fam. abtrat. Die Kirche S. Vigilio löste sich 1463 von der Mutterkirche S. Lorenzo in Lugano und wurde zur Pfarrkirche. Die Kapelle S. Rocco neben dem Friedhof stammt von 1645. Die Gerichtsbarkeit von G. erstreckte sich auch auf das gegenüberliegende Seeufer mit den Hügeln von Bisnago, Roncaglia und Caprino, deren Nutzung zu jahrhundertelangen Streitigkeiten mit den ital. Nachbargemeinden Oria, Albogasio, Ramponio und Lanzo führte.

Aus G., dessen Wirtschaft bis ins letzte Jahrhundert auf Landwirtschaft (Wein- und Gartenbau, Viehzucht) und Fischerei beruhte, stammten zahlreiche Kunsthandwerker. In der 2. Hälfte des 19. Jh. brachten Seidenraupenzucht und die Gewinnung von Lindenbast (bis 1950) zusätzl. Verdienstmöglichkeiten. Am gegenüberliegenden Ufer befinden sich die Cantine (Vorratskeller mit Raum zur Verpflegung) von G. und die Kaserne der Grenzwacht (1904), in der seit 1949 das Schweiz. Zollmuseum untergebracht ist. Die internat. Grenzstrasse von G. nach Oria wurde 1936 eröffnet; eine Verbindung mit der tiefer gelegenen Ortschaft wurde erst 1951 hergestellt. Das touristisch ausgerichtete G. hat sein ursprüngl. Dorfbild mit steilen Treppen, engen Gässchen und schönen Wohnhäusern bewahrt.

<b>Gandria</b><br>Ansicht des Dorfes von Süden, um 1920 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Begrenzt vom Luganersee und vom steilen Abhang des Monte Brè entging Gandria im 20. Jahrhundert der Verstädterung innerhalb der Agglomeration des benachbarten Lugano.<BR/>
Ansicht des Dorfes von Süden, um 1920 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
– B. Anderes, Guida d'arte della Svizzera italiana, 1980, 272
– P. Grossi, G., 1984

Autorin/Autor: Antonio Gili / CN