Carona

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Lugano, seit 2013 Teil der Gemeinde Lugano. Zwischen den Bergen S. Salvatore und Arbostora gelegen, mit Sicht auf den Luganersee. 926 Calauna. 1597 700 Einw.; 1696 557; 1801 430; 1850 421; 1900 367; 1950 285; 2000 681. C. bildete vermutlich im MA zusammen mit dem alten Ort Ciona (erw. 1213) eine Kastlanei der Bf. von Como. Zu ihren Besitzungen gehörte u.a. die noch bestehende rom. Kirche S. Maria in Torello, der ein ab 1349 von einer Gemeinschaft von Regularkanonikern (Augustiner) bewohntes Kloster (1217 von Guglielmo Della Torre errichtet) angeschlossen war. Das vollständig umgebaute Gebäude diente später als privates Bauerngut. Für die Treue zu den Visconti und Guelfen erhielt C. ein eigenes Wappen. Als Gemeinde mit besonderem Rechtsstatus (terra separata) genoss der Ort im MA und während der eidg. Herrschaft Privilegien und Steuerbefreiung. Die alten Statuten wurden 1470 erneuert. Seit 1427 ist C. eine unabhängige Pfarrei. Die heutige Pfarrkirche S. Giorgio entstand aus einer älteren, 1425 erwähnten rom. Kirche. Die Kirche S. Marta (14. Jh., ehem. SS. Pietro e Paolo) gehörte der gleichnamigen Bruderschaft. Wie die barocke Wallfahrtskirche Madonna d'Ongero (1624), westlich des Dorfes im Wald gelegen, und die Kirche S. Maria delle Grazie in Ciona, stammen auch die Wohnhäuser des Ortes aus dem 17. und 18. Jh. Sie bilden ein aussergewöhnliches hist.-kulturelles Erbe und sind sichtbarer Ausdruck der Emigration bedeutender Künstler aus einheim. Familien (Aprile, Casella, Scala, Solari) nach ganz Europa während des 15.-18. Jh. Die von Land- und Weidewirtschaft geprägte Gemeinde trug beträchtlich zur Ende des 19. Jh. beginnenden tourist. Entwicklung Luganos bei. 1943 wurde der Hügel S. Grato gerodet und ein landwirtschaftl. Betrieb eingerichtet, der später in eine Feriensiedlung umgewandelt wurde. Nach jahrhundertelangem Rückgang verdoppelte sich die Bevölkerung in den 1970er und 80er Jahren; es entstanden auch ausserhalb des hist. Kerns neue Häuser. Im Jahr 2000 waren 21% der Einwohner deutschsprachig. In C. befindet sich ein Schwimmbad von regionaler Bedeutung, dem ein Sportzentrum angeschlossen ist.


Literatur
– O. Camponovo, «Terre con franchigie nel Sottoceneri», in AST, 9-10, 1962, 443-450, 487-504
– A.M. Cotti, «C. viscontea», in BSSI, 1965, 5-32
– A.M. Collovà Cotti, «Archivio storico del comune di C.», in BSSI, 1967, 51-82
– E. Bernasconi, «C.», in Il Nostro Paese, 1977, 1-15
– B. Anderes, Guida d'arte della Svizzera italiana, 1980, 305-313

Autorin/Autor: Antonio Gili / GG