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Bissone

Polit. Gem. TI, Bez. Lugano, am östl. Ende des Dammes von Melide (735 und 854 Blixuni, dt. früher Byssen). 1591 ca. 300 Einw.; 1696 260; 1850 302; 1900 318; 1950 397; 2000 711. B. war vom 8. Jh. an langobard. Garnison und mit den Festungen in Campione d'Italia, Arogno und Brusino Arsizio verbunden. Ab dem 9. Jh. besass das Mailänder Kloster S. Ambrogio Güter in B. Die Pfarrkirche S. Carpoforo, die sich 1474 teilweise, 1622 vollständig von der Mutterkirche Riva San Vitale löste, pflegte auch Beziehungen zum Kloster S. Pietro in Ciel d'Oro (1148) in Pavia; das Oratorium S. Rocco geht auf ca. 1630 zurück. Im MA befand sich an der Stelle der heutigen Casa Tencalla eine Burg (1054 erw., noch 1439 und 1504 belegt). An der Bergseite umschlossen befestigte Mauern mit Eintrittstoren das Dorf. B. war Zentrum des ghibellin. Widerstands im Streit zwischen Mailand und Como (1118-27). Mit dem Ende der eidg. Herrschaft wurde B. zu einer Hochburg der Anhänger eines Anschlusses an die cisalpin. Republik, doch musste es sich am 3.3.1798 den prohelvet. Patrioten von Lugano ergeben.

B. war Heimat von Francesco Borromini und zahlreichen Baumeisterdynastien wie etwa den Maderno, Gaggini, Tencalla, Garovaglio. Zentrale Bedeutung für das Fischerdorf B. hatte der bereits im FrühMA erwähnte Fischhandel, für den es zusammen mit Morcote und Melide während der Zeit der eidg. Vogtei das Verkaufsmonopol in Lugano besass. Hinzu kamen Einkünfte aus den Fährdiensten über den See, der period. Emigration sowie dem Wein-, Oliven- und Hanfanbau. Mit der Aufschüttung des Strassen- (1847) und Schienendammes (1874) von Melide verlor B. die traditionellen Handelsfunktionen, die noch heute in der besonderen Siedlungs- und Bauweise (Häuserfront mit eindrucksvollen Säulengängen aus dem 14.-17. Jh.) zum Ausdruck kommen. Die 1966 erbaute Autobahn trennt den alten Dorfkern von den neueren Überbauungen, die aufgrund des starken demograf. Wachstums seit 1950 entstanden sind. Das wirtschaftl. Gefüge wird heute durch den Dienstleistungssektor und durch die Pendler geprägt. B. ist Teil der Tourismusregion am Luganersee.


Literatur
– E. Masoni, B., 1958 (21988)
La costruzione del territorio nel cantone Ticino, 1979, 515-525, 536-568
– I. Proserpi, La chiesa parrocchiale di S. Carpoforo a B., 1987
– I. Proserpi, B., 1999

Autorin/Autor: Antonio Gili / AG