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Köniz (Gemeinde)

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Bern. Die 51 km2 grosse Gem. in der Agglomeration Bern reicht von der Aare im Nordosten bis zu Schwarzwasser und Sense im Südwesten. Sie umfasst einerseits die vorstädt. Zentren Dorf K. und Wabern, die "Gartenstädte" Liebefeld am Könizberg und Spiegel am Gurten sowie andererseits mehrere Dörfer, Weiler und Einzelhöfe wie Nieder-, Oberwangen und Thörishaus im Wangental sowie Schliern, Schwanden, Nieder- und Oberscherli, Mittelhäusern und Gasel in der sog. oberen Gemeinde. 1011 Chunicis. 1764 2'115 Einw.; 1850 5'984; 1900 6'886; 1930 10'987; 1950 20'742; 1960 27'243; 2000 37'782.

Das Gemeindegebiet gehört zum Grossraum Aaretal, für das seit prähist. Zeit Begehungs- oder Besiedlungskontinuität belegt ist: Neolith. Äxte wurden in Wabern (Kirchhof, Schwizerhüsi), K. (Gurtenbühl), Gasel und auf der Sensenmatt entdeckt, ein bronzeitl. Depot mit 137 Armringen in Wabern (Bächtelen) sowie Gräber der Bronze- und Latènezeit in K. (Buchsi, Hubacher-, Gossetgut) und am Mengestorfberg. Auf röm. Gutshöfe weisen Mauer-, Ziegel-, Keramik- und Münzfunde in K. (Buchsi, Spiegel), Wabern (Morillon-, Weiergut, Kleinwabern), Schliern, Herzwil sowie Liebewil hin. Teils in diesen röm. Strukturen liegen frühma. Gräberfelder, u.a. des 7. Jh., in K. (Buchsi), Wabern (Bächtelen), Oberwangen (Sonnhalde, Cheerhübeli), Niederwangen, Gasel (Hubel) und bei Längacher/Riedburg; frühma. Waffen wurden in Wabern und Thörishaus gefunden. In diese Zeit datiert vielleicht der aufgrund frühma. Steinkistengräber zu vermutende Vorgängerbau der Kirche K.

Auf Gemeindegebiet blieb das sog. Schloss K., (Gebäude der Deutschordenskommende, schliesslich bern. Landvogteisitz) erhalten. Zerstört oder dem Zerfall überlassen wurden versch. Stammsitze von Adels- und Ministerialenfamilien aus dem Hoch- oder SpätMA: Sternenberg (Scherliau; keine Mauerreste) war die Burg der zähring., vor 1300 ausgestorbenen Gf. von Laupen-Sternenberg, Wangen (1298 von Bern zerstört, Ruine 1935-36 konserviert) diejenige der im 13. und 14. Jh. bezeugten Ritter dieses Namens, Neububenberg (erbaut im 13. Jh., 1338 aufgegeben) der zweite Sitz der Herren von Bubenberg, Ägerten am südl. Gurten (dreifaches Wallgrabensystem um Burghügel, noch 1674 Reste des Wohnturms) der Sitz der im 13. Jh. erw. Ministerialen von Egerdon. Die in der ersten Hälfte des 14. Jh. erbaute und 1386 zerstörte Riedburg bewohnten gleichnamige Ministerialen; das "Heidenhaus" im Grossgschneit (Holzbau 3. Viertel des 16. Jh., älterer Unterbau) war ein Herrenhaus im ehem. Twing Riedburg.

Das heutige Gemeindegebiet gehörte bis 1798 militärisch zum bern. Landgericht Sternenberg und hoch- sowie niedergerichtlich zum bern. Stadtgericht. Ausnahmen diesbezüglich waren der Niedergerichtsbezirk Dorf K. (Kommende respektive Landvogtei), das Dorf Niederwangen (Herrschaft Bümpliz) und die Twingherrschaft Riedburg.

Der rom. Bau der Kirche Peter und Paul wurde vom Ende des 11. bis ins 13. Jh. errichtet, der hochgot. Chor mit bedeutenden Glas- und Wandmalereifragmenten datiert um 1310. Die Kirche war Zentrum einer Grosspfarrei mit Bern, das bis 1276 nur über eine Kapelle verfügte, und im 13. Jh. eines Dekanats im Bistum Lausanne. Vermutlich unterstanden ihr auch in den zu K. gehörenden Dörfern Kapellen. Die Reformation 1528 stärkte die Zentrumsfunktion der Kirche K., da der Kirchgemeinde sukzessive Armen-, Niederlassungs- und Schulwesen überbunden wurde. Die vier Viertel (Kirchgemeindebezirke), die als Armensteuerbezirke auch über Gemeindevermögen verfügten, übernahmen diese Aufgaben: Das K.-Viertel mit Wabern, das Wangen-Viertel mit Herzwil und Liebewil, das Schliern-Viertel mit Oberscherli und Riedburg sowie das Gasel-Viertel mit Niederscherli. Das rasche Wachstum der Bevölkerung ab 1900 zwang die Kirchgemeinde zur Errichtung weiterer Pfarrämter (1997 zwölf) und Kirchen in Oberwangen (1911-12), Niederscherli (1912), Wabern (1948), Spiegel (1950) und Liebefeld (1966-67). Die kath. Bevölkerung wird heute durch drei Pfarreien mit Kirchen in K. (Neubau 1989-91), Wabern (1959) und Bümpliz betreut.

Die ma. Dörfer der Gem. lagen an alten Verkehrswegen und hatten Anteil an Talböden, so Grosswabern, K., Nieder- und Oberwangen, Niederscherli sowie Gasel; in der Hügelzone dominierten Weiler und Einzelhöfe. Dörfer wie Weiler waren vom MA an genossenschaftlich organisiert; ab dem 17. Jh. teilten sie ihre Allmenden auf und trieben neben Ackerbau auch Viehwirtschaft. In K., Grosswabern, Oberwangen, Ober- und Niederscherli gab es Schulen, aber nur wenig ländl. Gewerbe (Wirtshäuser, Mühlen, eine Schmiede), weil die Stadtmeister das Landhandwerk um Bern aus Konkurrenzgründen behinderten.

Als die Stadt Bern sich Ende des 19. Jh. gegen Westen ausdehnte, wuchs der Siedlungsdruck auf die Gem. K. Erste Wohnquartiere entstanden ab 1915 an den Sonnenhängen des Könizbergs und der Gurtenwestflanke; wie später folgende wurden diese teils auf dem Boden parzellierter Landsitze wie z.B. Buchsi-, Stapfen-, Stettlergut, Liebefeld, Bläuacker, Hohliebe und Lochgut in Köniz oder Gosset-, Weier- und Maygut in Wabern errichtet. Während man in den "Gartenstädten" Liebefeld, Spiegel, Gurtenbühl und Bellevue neue Wohnkonzepte erprobte, wurde das Dorf K. zur verbauten Vorstadt. Die von Bern vorgeschlagene Eingemeindung in "Gross-Bern" lehnte die Gem. aber 1929 ab.

Neue öffentl. Verkehrsmittel wie das Tram von Wabern zum Hauptbahnhof Bern (ab 1894 via Weissenbühl, ab 1912 via Monbijou) oder ab 1901 die Gürbetalbahn beschleunigten in den jeweiligen Ortsteilen die Bautätigkeit. Durch das Wangental verlief ab 1860 die Hauptachse der Eisenbahn in die Westschweiz (Stationen in Nieder- und Oberwangen sowie Thörishaus) und ab 1981 die Autobahn A12. Die Bern-Schwarzenburg-Bahn erschloss ab 1907 u.a. Gasel, Niederscherli und Mittelhäusern. Seit 1899 führt von Wabern aus eine Standseilbahn auf den Berner Hausberg, den Gurten. Das Wirtshaus Gurten-Kulm bei der ehem. Hochwacht wurde 1901 in ein Kurhotel umgewandelt; 2000 wurde dort der Gurtenpark eingerichtet, eine Stiftung, die aus Einkünften aus dem Migros-Kulturprozent alimentiert wird. Das erste Gurtenfestival wurde 1977 durchgeführt.

In K., Niederwangen sowie Niederscherli siedelten sich ab 1900 und vermehrt nach der Ausscheidung von Gewerbezonen ab 1950 zahlreiche kleine und mittlere industrielle Unternehmen der Bereiche techn.-medizin. Gas, Medizinaltechnik, Druck, Verpackungsindustrie, Feinmechanik, Metall- und Stahlbau, Transport, Recycling, Reprotechnik usw. an. Viele Arbeitsplätze zählt heute der Sektor Dienstleistungen mit Banken (Rechenzentrum der Berner Kantonalbank), Versicherungen, Einkaufszentren und versch. Alters- und Pflegeheimen. Knapp zwei Drittel der Erwerbstätigen in der Gem. waren 2000 Wegpendler.

Postauto- und Buslinien trugen dazu bei, dass der Bauboom nach 1960 auch die bäuerl. Weiler Schliern, Schwanden und Moos erfasste. 2007 lebten dort sowie in der zusammenhängenden Agglomeration der "unteren Gem." (Dorf K. 18%, Wabern 18%, Schliern 14%, Liebefeld 13%, Spiegel 11%) 74% der Gemeindebevölkerung. Während die industrialisierten Orte ihren Dorfcharakter einbüssten, blieben die Siedlungen v.a. in der "oberen Gem.", die über einen grossen Anteil Landwirtschaftszone verfügen (52% der Gemeindefläche), intakt; Herzwil und Mengestorf z.B. bewahrten einen eindrücklichen alten Baubestand und grossartige Ortsbilder. Von den ehem. Landsitzen ist u.a. die klassizist. Villa (1830-32 erbaut) des Morillonguts erhalten.

Die 1834 im Umfang der Kirchgemeinde errichtete und nach Auflösung der Viertelsgemeinden 1878 zentralisierte Einwohnergemeinde hat seit 1920 einen Grossen (30, ab 1934 40 Mitglieder) und einen Kl. Gemeinderat (ab 1994 3 voll-, und 4 nebenamtl. Mitglieder); die Verwaltungsgebäude, einschliesslich eines Informatikzentrums für die Gem. K., Muri und Wald, liegen im Dorfkern K.

Zum gut ausgebauten Schulwesen mit Primar- und Oberstufe (in K., Liebefeld, Spiegel, Wabern, Niederscherli und Niederwangen) gehört das Gymnasium Lerbermatt, dem Teile des früheren gleichnamigen Seminars angegliedert wurden. Weitere Ausbildungsstätten, teils gemeinnützige Heime des 19. Jh., sind u.a. das Schulheim Landorf und die Stiftung Steinhölzli in K., die Stiftung Bächtelen in Wabern und das Knabenheim Auf der Grube in Niederwangen. Die Gem. ist Standort der Bundesämter für Gesundheit, Metrologie und Akreditierung, Landestopografie sowie Veterinärwesen. Sie beherbergt ferner versch. Bundesbetriebe (Forschungsanstalten für Agrikulturchemie und Milchwirtschaft in Liebefeld, Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe in Mittelhäusern); eine Richtstrahlanlage der PTT stand auf dem Ulmizberg.


Literatur
– C. Lerch, Beitr. zur Gesch. der Gem. K. und Oberbalm, 1927
– C. Lerch, K., 1950 (21970)
Die Gem. K., 1964
– A. Aerni, Der Gurten und seine Bahn, 1989
– C. Bertschinger et al., K.-Buchsi 1986: der röm. Gutshof und das frühma. Gräberfeld, 1990
– J.-P. Anderegg, Bauinventar der Gem. K., 3 Bde., 1992
K., 32000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler