Kirchlindach

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Bern. Die Agglomerationsgemeinde von Bern, am rechten Aareufer und auf den Terrassen am Schüpberg gelegen, umfasst die Dörfer K. (mit Kirche, Gemeindeverwaltung, Schule und Post), Oberlindach und Herrenschwanden sowie Weiler und Einzelhöfe. Bis 1940 besassen K. und Meikirch eine gemeinsame Gemeindeverwaltung. 1880 stiess die Gem. Bremgarten-Stadtgericht zu K. (Teile von Ober- und Niederlindach sowie Herrenschwanden). 1185 Lindenacho. 1764 464 Einw.; 1850 1'002; 1900 1'133; 1950 1'130; 1980 2'273; 2000 2'736.

Hallstattzeitl. Grabhügel (Vorhölzli, Eigenäcker, Holzacker-Riederenwald, Bühlwald, Schachenhölzli), ein Gräberfeld aus der Latènezeit mit Schmuckbeigaben (Niederlindach) und ein Schalenstein (Tannholz) belegen eine frühe Besiedlung des Gebiets. Ein röm. Gutshof befand sich im Raum Muri-Alchenmatte zwischen Oberlindach und Buchsacker. Wichtigste Grundbesitzer der Gegend waren im MA die Herren von Bremgarten. Als Donatoren des Klosters St. Johannsen (vor 1185) büssten sie nach 1300 ihren restl. Besitz ein. Ihnen folgten als Grundherren Bernburgerfamilien nach, u.a. die Lindenach, Gisenstein, Lempo und Hetzel, während die Buweli und Erlach ab Beginn des 14. Jh. zudem als Inhaber des Kirchensatzes - 1579 von Bern erworben - auftraten. Es bildete sich keine Twingherrschaft. Vielmehr kamen die Niedergerichtsrechte an Bern, verwaltet in den Gerichtsbezirken K. und Herrenschwanden des Stadtgerichts. Hochgerichtlich unterstand K. dem bern. Landgericht Zollikofen.

Von den ehem. Landsitzen sind Schloss Heimenhaus, ein spätrom. Steinbau des 12.-13. Jh., der durch die patriz. Besitzerfamilien Werdt und Matthey umgebaut und erweitert wurde, der zu Beginn des 18. Jh. errichtete Landsitz Nüchtern (ab 1891 eine Heilstätte, seit Ende des 20. Jh. ein sozialtherapeut. Zentrum) sowie das 1727 entstandene Herrenhaus Buchsacker (heute ein Bauernhaus) nennenswert. Die um 1200 erbaute und 1275 erstmals erw. Kirche (Patrozinium St. Georg) mit hochma. Innenbestattungen steht auf dem Fundament älterer Gebäude (Holzbau aus dem 8. Jh., erster Steinbau 9./10. Jh.). Sie wurde öfters um- und neugebaut (u.a. im 13. Jh. Neubau des Turms, in der 2. Hälfte des 14. Jh. des Chors, 1766 Umbau zum Predigtsaal). 1907 legte man Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jh. frei. 1978-79 erfolgte im Zug der Gesamtrenovation eine Grabung. Im Umfang der Kirchgemeinde K. und ihrer sieben Bezirke entstand 1834 die Einwohnergemeinde K., die 1798 dem Distrikt Zollikofen zugeschlagen wurde und seit 1803 zum Oberamt bzw. Amtsbezirk Bern gehört.

K., Niederlindach, Oberlindach, Jetzikofen, Heimenhaus und Herrenschwanden waren alle ma. Zelgdörfer. Ab dem 17. Jh. siedelten Tauner in den Randzonen (u.a. Lindachwald). Zum hauptsächl. Kornbau trat im 18. Jh. Grasbau, da sich Heu winters an Küher verkaufen liess, ebenso wie Milch, Gemüse und Obst auf dem Stadtberner Wochenmarkt. An der Landstrasse Bern-Aarberg gelegen, war K. mit Bern ab 1467 über die Neubrücke verbunden. Als es nach 1950 in den Wachstumssog der Stadt geriet, trug es Sorge zum bäuerl. Baubestand (v.a. Oberlindach, Niederlindach, Jetzikofen) und liess die Bautätigkeit nur beschränkt zu. Einfamilienhauskolonien entstanden ausserhalb von K. und Oberlindach, Grossüberbauungen auf der Terrasse über der Aare (Herrenschwanden). Die Nähe zu Bern über die 1912 eröffnete Halenbrücke mit Postautokursen (seit 1917) und der Anschluss ans Autobahnnetz (seit 1962) lockten Zuzüger an: Im Zeitraum 1950-80 verdoppelte sich die Bevölkerung. Trotz Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, im Kleingewerbe und in Dienstleistungsbetrieben überwiegen Anfang des 21. Jh. die Wegpendler. Die Beliebtheit des einstigen Flugplatzes (1918-22) bei Oberlindach übertrug sich nicht auf das Projekt eines Flughafens quer über den Lör- und Riederenwald. Dieses scheiterte 1959 am Widerstand der Bevölkerung.


Literatur
– H. Mühlethaler, Die Gem. K., 1979
Grundlagen zur Ortsplanung K., 1980
– P. Eggenberger, W. Stöckli, «Die frühma. Kirchen von Twann und K.», in ArS 3, 1980, 115-117
– G. Grosjean, Lindenach 1185, K. 1985, 1985
– V. Stähli-Lüthi, Die Kirche von K. mit ihren Wandmalereien, 1985
– H. Schneeberger, Bauinventar der Gem. K., 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler