23/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Palagnedra

Ehem polit. Gem. TI, Bez. Locarno. Seit 2009 bildet P. zusammen mit Borgnone und Intragna die polit. Gem. Centovalli. P. liegt auf einer grossen Terrasse am Südhang des Centovalli und umfasst versch. Ortsteile, darunter Bordei. 1379 Pallagnidrio. 1850 337 Einw.; 1900 267; 1950 298; 2000 92. Im MA war P. administratives und kirchl. Zentrum der im 13. Jh. erw. Talgemeinde Centovalli, unterstand bis ins 16. Jh. der Landschaft Locarno und Ascona, dann der Vogtei Locarno. 1864 wurde das Dorf selbstständig. Die zwischen 1640 und 1732 erbaute und 1964-66 bzw. 1999-2001 restaurierte Kirche S. Michele, zugleich Mutterkirche des Tals, enthält den besterhaltenen spätgot. Freskenzyklus von Antonio da Tradate. Früher wurde Land- und Weidewirtschaft betrieben. Ab dem 16. Jh. kamen die Einkünfte aus der saisonalen Auswanderung nach Italien dazu: Aus P. zogen v.a. Träger und ab dem 19. Jh. Garköche in die Toskana. Bis in die 1950er Jahre begünstigte die Nähe der ital.-schweiz. Grenze den Schmuggel. 1950-52 wurde ein Staudamm zur Nutzung der Wasserkraft erbaut. 2005 stammte über ein Drittel der Arbeitsplätze in P. aus dem Primärsektor.


Literatur
– V. Gilardoni, «Gli statuti della terra di P. dell'antico comune di Centovalli», in AST, Nr. 86-87, 1981, 234-304
– G. Chiesi, Le pergamene dell'Archivio comunale di P., 1993
– S. Boscani Leoni, «Gli affreschi dell'antico coro della chiesa di San Michele a P.», in Pittura medievale e rinascimentale nella Svizzera italiana, hg. von E. Agustoni et al., 2000, 96-104

Autorin/Autor: Rodolfo Huber / CN