No 19

Kaiser, Peter

geboren 1.10.1793 Mauren (FL),gestorben 23.2.1864 Chur, kath., von Mauren, ab 1856 von Vignogn. Sohn des Michael, Bauern, und der Maria Anna Matt. Ledig. Nach Gymnasial- und Universitätsstudien in Wien (ab 1810) studierte K. 1817-19 Recht, Geschichte, Philosophie und Staatswissenschaften in Freiburg i.Br., u.a. beim liberalen Prof. Karl von Rotteck. Als Pädagoge wirkte K. danach 1819-22 als Lehrer für Geschichte und Sprachen am Inst. Fellenbergs in Hofwil, 1822-23 in der Anstalt Pestalozzis in Yverdon, 1823-35 an der Kantonsschule Aarau (1829-31 Rektor) und im Aargauer Lehrverein (Volkshochschule), 1835-42 an der kath. Kantonsschule in Disentis (1837-42 Rektor) und ab 1842 in Chur (1848-50 Rektor). 1850-64 war er Lehrer und Vizerektor der neuen parität. Kantonsschule in Chur. 1848 einflussreicher Präs. des revolutionären Landesausschusses im Fürstentum Liechtenstein und Verfassungsrat, vertrat K. das Fürstentum als Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche; aus berufl. Gründen gab er im Nov. 1848 das Mandat zurück. 1856 schenkte ihm die Bündner Gem. Vignogn das Bürgerrecht, was den Verzicht auf die Staatsbürgerschaft Liechtensteins bedingte.

Liberale Ideen, die Konfiskation seiner grossen Geschichte Liechtensteins 1847 im Fürstentum und die polit. Tätigkeit für Liechtenstein 1848 machten ihn den liechtenstein. Behörden suspekt; sie förderten aber auch im 20. Jh. das Entstehen eines Mythos. Sein Name steht in Zusammenhang mit der Ausbildung einer nationalstaatl. Identität Liechtensteins. Zugleich gilt K. als Wegbereiter der hist. Forschung im Fürstentum. Seine Schriften und Vorträge zur Bündner Geschichte sowie die Präsidentschaft der Geschichtsforschenden Gesellschaft Graubündens brachten ihm den Ruf eines "Historiografen der rät. Lande". Der liberale Katholik und erfolgreiche Pädagoge, in Aarau von radikalen, in Graubünden von kurial-konservativen Kräften befeindet, galt als Vertreter der Ideen Pestalozzis und Johann Michael Sailers.


Werke
Gesch. des Fürstenthums Liechtenstein, 1847 (21989, Neubearb. mit Werkverz., 2 Bde.)
Beitr. zur Gesch. Graubündens, 1862
Literatur
– A. Brunhart, Peter K., 1993

Autorin/Autor: Arthur Brunhart