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Magadino

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Polit. Gem. TI, Bez. Locarno. Die Gem., zu der auch Quartino und Orgnana gehören, liegt am Rande der Riviera del Gambarogno. Sie trennte sich 1843 von Vira und wurde selbstständige Gem. Ihr Gebiet umfasst Teile des unter Schutz stehenden Feuchtgebiets der Bolle di M. zwischen den Flussmündungen von Verzasca und Tessin. 1254 de Magadino, dt. früher Megadin. 1850 586 Einw.; 1880 901; 1900 725; 1950 821; 2000 1'449. In spätma. Urkunden wird M. im Zusammenhang mit Feudalrechten erwähnt, welche die Bf. von Como den Capitanei von Locarno übertrugen. Diese hatten bis 1342 den Wegzoll auf Transitgüter inne. In Quartino bestand im 11. bis 16. Jh. ein Benediktinerpriorat, dessen Schutzpatron der hl. Georg war. Es gehörte zur Abtei S. Benigno di Fruttuaria im Piemont, später zu S. Gemolo di Ganna in der Lombardei. Im 17. Jh. kamen die Klostergüter an das Spital in Locarno. Zusammen mit den heutigen Fraktionen Quartino und Orgnana gehörte M. zur Pfarrei von S. Pietro in Vira und wurde 1846 kirchlich selbstständig; die Kirche S. Carlo entstand 1844-46. Der Codice delle strade di Como (1335) nennt einen Turm, von dem sich keine Spur mehr findet. Auch von einem Kastell, das nach einer Chronik des 17. Jh. im Jahr 1365 auf Befehl Galeazzo Viscontis von den Einw. von Locarno erbaut und 1518 von den Schweizern zerstört wurde, gibt es keine Überreste. M. war ein bedeutender Hafen und eine wichtige Zollstation am Transitweg von der Lombardei zu den Städten nördlich der Alpen; seine Bedeutung wuchs 1515 nach dem Zusammenbruch der Brücke über den Tessin bei Bellinzona. Mit der Einführung des regelmässigen Dampfschiffverkehrs (1826) und der Eröffnung der Fahrstrasse über den Gotthardpass (1830) wurde M. Postkutschenstation. Viele neue Lagerhäuser, Hotels und Gaststätten wurden gebaut; manche sind heute noch zu sehen. Der Niedergang des Hafens begann mit der Eröffnung der Bahnlinien nach Locarno (1874) und Luino (1882); die Gemeindeentwicklung stagnierte bis in die 1960er Jahre. 2000 war die Mehrheit ausserhalb des Wohnorts tätig. 2005 gehörte fast die Hälfte der Arbeitsplätze zum 3. Sektor.


Literatur
– V. Gilardoni, P. Rocco da Bedano, «Riviera del Gambarogno», in AST, Nr. 39, 1969, 283-342, 431-450
Kdm TI 3, 1983, 43-62
– R. Broggini, M. 1843-1993, 1993

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / GG