15/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Losone

Polit. Gem. TI, Bez. Locarno. Der Ort entwickelte sich auf der rechten Seite der Maggia unterhalb der Einmündung der Melezza. Das Gemeindegebiet besteht aus einer Schwemmebene (Saleggi und Gerre), den auf Plateaus gelegenen Weilern San Rocco, San Lorenzo und San Giorgio und dem auf halber Höhe situierten Weiler Arcegno. 1061 Loxono (Kopie von 1402), 1200 de losono. 1850 642 Einw.; 1900 698; 1950 1'437; 1970 3'808; 1980 4'911; 2000 5'907. Die Torflager von Arcegno, die Felsunterstände von Quarigo und die Felszeichnungen auf Speckstein und Gneis scheinen zu bestätigen, dass L. seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. 1934 und 1970-73 fand man Grabausstattungen aus dem 1. bis 4. Jh. mit Spuren, die auf eine Weiternutzung der Nekropole bis ins 6. Jh. weisen. Im MA umfasste der Ort, der 1274 als Flecken (borgo) bezeichnet wurde, die sog. Bassa L., Arcegno und bis 1807 Vosa im Onsernonetal. Er bildete eine Vicinanza der Pieve Locarno und verfügte über eigene Satzungen (die noch 1734 bestätigt wurden). L. besass Alprechte im Tal von Bosco/Gurin (im 14. bis 15. Jh. an Bosco abgetreten), im Onsernone- und im Vigezzotal. Die Einwohner entrichteten an die Adligen von Locarno den Zehnten auf Reben und Getreide. 1799 widersetzte sich L. den helvet. Behörden, die eine Einwohnergemeinde schaffen wollten. Auch nachdem diese 1803 verwirklicht worden war, spielte die Bürgergemeinde weiterhin eine wichtige polit. und wirtschaftl. Rolle. Die 1243 erstmals erw. Pfarrkirche S. Lorenzo, die aber älter ist, trennte sich vor 1580 von der Mutterkirche S. Vittore in Muralto und wurde 1747 zur Propsteikirche erhoben. Neben der Landwirtschaft waren in L. einige Steinbrüche in Betrieb; während des Ancien Régime war die Auswanderung von Bedeutung: Schleifer, Zinngiesser und Zollbeamte zogen in die Toskana und nach Rom, Ofensetzer und Schokoladefabrikanten nach Österreich und Ungarn. Der Bau der Maggiabrücke 1815, der Strassen nach Ascona und Golino 1824-25 und die Eindämmung der Maggia ab 1890 gaben der Entwicklung des Dorfes Auftrieb. Anfang des 20. Jh. wurden das Gemeindehaus und die Schule gebaut sowie die Güterzusammenlegung verwirklicht. 1941-47 waren im Ortsteil Arbigo poln. und ukrain. Soldaten interniert, die die Strasse von Arcegno nach Golino bauten. 1949-50 wurde dieses Lager in eine Kaserne umgewandelt (bis 1973 Grenadiere, dann Sanitäter). 1957 liess sich die Maschinenfabrik Agie in L. nieder und trug zur Herausbildung einer wichtigen Industriezone bei (Zandone und Saleggi). Nach 1960 entwickelte sich L. immer mehr zu einer Wohngemeinde. 1976 wurde das neue Schulzentrum eingeweiht, 1982 das Altersheim. 1940-80 verzeichnete L. das stärkste Bevölkerungswachstum aller Gem. des Sopraceneri. In neuerer Zeit hat sich auch der Tourismus entwickelt: 1999 legte die Bürgergemeinde in Gerre einen Golfplatz an.


Literatur
– S. Borrani, Appunti di storia Losonese, 1964
Un anno di vita della vicinanza di L., hg. von R. Broggini et al., 1994
– R. Broggini, L., 2003
– F. Fornera, L., patrizi e patriziato nel contesto comunale, 2004

Autorin/Autor: Rodolfo Huber / PTO