07/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bremgarten bei Bern

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Bern, und ehem. Herrschaft. Die Agglomerationsgem. unterhalb Berns am rechten Ufer der Aare umfasst das Dorf B., die Quartiere Seftau-Ländli, Äschenbrunnmatt, Kalchacker, Stuckishaus-Neubrügg und Bündacker. 1180 Bremecart, 1236 Bremegarten, bis 1870 B.-Herrschaft. 1764 121 Einw.; 1850 721; 1900 893; 1950 1'042; 2000 3'802.

Röm. Siedlungsreste in der Kiesgrube (röm. oder ma. Wasserstollen), Pflasterweg (Halbinsel) und Münzfunde (am Weg nach Reichenbach und an der Fähre Reichenbach). Von der ma. Burg und dem Städtchen ist nichts erhalten; die äussere Ringmauer beim Schloss wurde 1978 rekonstruiert. Die Freiherrschaft B. erstreckte sich in unbekanntem Umfang längs der Aare von Worblaufen bis nach Kirchlindach. Die Stammburg der Herren von B. und das angebaute Städtchen, beide ummauert, lagen im Hals der Aarehalbinsel. Die 1275 erw. Eigenkirche St. Michael, ein Bau des 10.-11. Jh. mit nach 1306 erstelltem Chor, stand ausserhalb der Mauern auf der Halbinsel. Bern zerstörte 1298 nach dem Gefecht am Donnerbühl Burg und Städtchen. 1306 verkauften die von B. ihre durch Erbteilungen, Verkäufe und Schenkungen des 12. Jh. verkleinerte Herrschaft samt Kirchensatz und Fähre der Johanniterkomturei Münchenbuchsee, die Burg (Sitz des Komturs) und Städtchen z.T. erneuerte. 1510 veräusserte die Komturei Stuckishaus als Erblehen. Mit der Säkularisation (1529) kam die Herrschaft an Bern, das sie dem Landgericht Zollikofen (Blutgericht) unterstellte und dem letzten Komtur das Schloss auf Lebenszeit beliess. 1545 verkaufte Bern die verkleinerte Herrschaft mit Niedergericht und Aussenhöfen dem Schultheissen Hans Franz Nägeli, der die Burg mit Ausnahme von Bergfried und Ringmauern abbrechen liess und einen Renaissance-Landsitz erbaute. Der Kirchensatz blieb bei der Schaffnerei des ehemaligen Johanniterhauses. Für die wenigen Herrschaftsleute war das Niedergericht von Münchenbuchsee zuständig. Durch Erbe und Kauf kam die Herrschaft an andere Bernburgerfamilien: 1579-92 Brügger, 1592-1727 Kilchberger, 1727-43 de Chemilleret, 1743-61 von Wattenwyl, 1761-65 Fischer von Reichenbach. 1743-47 wichen Bergfried und Ringmauern der ma. Burg dem zum spätbarocken Sommersitz umgebauten Schloss. Albrecht von Frisching, 1765-76 Besitzer, siedelte Tauner und Handwerker an und verkaufte 1776 das Schloss ohne Gericht. Die Neuansiedler bauten ihre Taunerhäuser 1767-83 v.a. im Gebiet von Seftau-Ländli und Äschenbrunnmatt; schon 1764 hatten indes in B. fast dreimal mehr Hintersassen als Burger gesessen. 1770-71 entstanden die Landsitze Belvedere (Friedrich von Luternau) und Aarwyl (Rudolf Albrecht Haller). Nach der Abschaffung der Herrschaftsrechte (1798) kam B. zunächst zum helvet. Distrikt Bern, 1803 zum Oberamt (ab 1831 Amtsbez.) Bern. Von häufigen Besitzerwechseln im 19. Jh. in Mitleidenschaft gezogen, erlebte das Schloss 1918-78 unter der Industriellenfam. Wassmer eine neue Glanzzeit (1978 Gesamtrestauration).

Die Kirchgem. B. umfasste bis 1880 die Gem. B.-Herrschaft, Zollikofen und B.-Stadtgericht. 1598-1632 betreute ein Mitglied der bern. Akademie die wenigen Kirchgenossen im Nebenamt. Der Beschluss, die Kirchgem. 1767 aufzuheben, wurde 1783 widerrufen. Im Zuge einer Reorganisation kam 1880 B.-Stadtgericht zur Einwohner- und Kirchgem. Kirchlindach. Nach Errichtung der selbstständigen Kirchgem. Zollikofen schloss sich 1940 der Rest der Kirchgem. B. der bern. Paulus-, 1960 der Matthäus-Kirchgem. an.

1798 entstand die Ortsgem. B.-Herrschaft mit eigenem Gemeinderat, 1832 die Einwohnergemeinde. Erst im 20. Jh. wurde das abseits der Verkehrswege liegende B. besser erschlossen: Neben die 1466 erbaute Neubrügg traten als Fährenersatz 1921 der Seftausteg und 1928 die Felsenaubrücke. Wegen chron. Finanznot erstrebte B. 1925, 1934 und 1945 die Eingemeindung in Bern. Die Bundesstadt zog jedoch eine Unterstützung im Gemeindeverband Bern-B. (1953-62) vor. Die rege Bautätigkeit ab 1950 liess B. schliesslich zum bedeutenden Vorort werden. Ohne eigene industrielle Entwicklung blieb die Gem. mit 84% Wegpendlern (1990) voll auf Bern ausgerichtet.


Literatur
– E.M. Fallet, Bremgarten, 1991, (Nachtrag 1994)

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler