Schindler (GL)

Oberschichtsfam. von Mollis (heute Gem. Glarus Nord), die sich in weiteren Glarner Gem. einbürgerte. Sie soll von den im 13. und 14. Jh. belegten Wighus, später Wiggisser, abstammen. Der Name S. ist erstmals 1395 belegt. Ratsmitglied Peter amtierte 1416-19 als Tagsatzungsgesandter. Rudolf Wiggisser genannt S. (gestorben 5.8.1526) war 1502-05 erster Glarner Landvogt im Rheintal, Konrad S. genannt Wiggisser 1538-52 viermal Landvogt im Gaster und mehrfach in eidg. Streitfällen tätig. Als einer der Stammväter der Molliser S. kann Schiffmeister, Ratsherr und Tagwenvogt Balthasar (gestorben 1636) identifiziert werden. Im 18. Jh. zählten die S. zu den grössten und reichsten Geschlechtern des alten Landes Glarus. In der 1. Hälfte des 19. Jh. stellten sie mit Dietrich ( -> 2), Sohn des Samuel ( -> 21), den Landammann. Zahlreiche S. von Mollis traten im 17. und 18. Jh. in fremde Kriegsdienste, manche wurden Offiziere. Georg (1744-1823) begründete den holländ. Familienzweig. Schon in der 2. Hälfte des 18. und v.a. im 19. Jh. stiegen Vertreter der Fam. ins Textilgeschäft ein, darunter die Brüder Abraham ( -> 1) und Johann Heinrich ( -> 8). Zwei Söhne Johann Heinrichs bauten die Agentur in Lissabon zu einem eigenständigen Geschäft aus und liessen sich mit ihren Nachkommen in Portugal nieder. Einige Nachkommen Samuels verlegten ihre Geschäfte nach Vorarlberg, so Friedrich Wilhelm ( -> 6). Samuels Enkel Kaspar ( -> 13) war Seidenfabrikant in Zürich. Kaspars Söhne Friedrich Martin ( -> 5) und Samuel Dietrich ( -> 22) verliessen die Textilbranche. Im 19. und 20. Jh. waren viele S. als Ärzte, Juristen oder in anderen akadem. Berufen tätig. Das Geschlecht blüht heute noch in Mollis.


Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 507-510; 2, 687-689; 7, 490-513
– J. Winteler, Aus der Gesch. der Fam. S. von Mollis, 1936
– H.R. Stauffacher, Herrschaft und Landsgem., 1989
– F. Stucki, 50 alte Glarner Fam., 1989

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach