04/01/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Gordola

Polit. Gem. TI, Bez. Locarno, am Ausgang des Verzascatales auf der linken Flussseite gelegen. 1200 Gordora, 1219 Gordolla/e. 1920 wurde G. ein Teil der Terricciole (1930 126 Einw.) zugeteilt, eines zusammengewürfelten Gebiets, das zuvor von den Gem. Locarno, Mergoscia und Minusio verwaltet worden war. 1596 150 Einw.; 1741 400 (mit dem Ortsteil Mondacce, Gem. Minusio); 1850 290; 1880 866; 1900 550; 1950 1'419; 2000 3'878. G. befand sich an wichtigen Verkehrsachsen. Im MA lag der Wohnort auf den Hügeln, da die Ebene Sumpfgebiet war. Der Langensee reichte bis zu den Mauern der Burg aus dem 11./12. Jh. (im 14. Jh. verschwunden), die den Lehensherren des Bf. von Como gehörte. Die Capitanei di Locarno hatten in G. Güter und Lehnsrechte. Innerhalb der Landschaft Locarno war G. die einzige Dorfgenossenschaft (vicinia), die den eigenen Pfarrer wählen konnte; die Gem. hatte zudem das Recht, ein Mitglied des Pfarreirates zu bestimmen. Die ehemalige Pfarrkirche SS. Pietro e Vincenzo befand sich auf dem Gebiet von Tenero und bildete eine Art Enklave; erst 1898 wurde die Propstei in die Kirche S. Antonio Abate verlegt, die schon im 16. Jh. existierte, 1829 durch eine Überschwemmung zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Ein besonders wertvolles Gebäude ist das Oratorium Delle Grazie aus dem 15. Jh. In G. gab es ein Kloster des gemischten Humiliatenordens (S. Maria), das ums 12. Jh. herum gegründet und am Ende des 15. Jh. aufgehoben wurde. Vom 14. Jh. an wanderten in G. viele Bewohner aus dem Verzascatal ein, die in der Magadinoebene den Winter verbrachten; ihr vorerst saisonaler Aufenthalt nahm später häufig definitive Formen an. Ab 1695 war G. in zwei Ortsteile (squadre) aufgeteilt: denjenigen der "ursprünglichen" und den der "neuen" Ansässigen (vicini). Die beiden Gruppen wechselten sich in der Gemeindeverwaltung ab. In den vergangenen Jahrhunderten waren die Einwohner von G. alle Bauern und Viehzüchter. 2000 war nur noch ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig; etwa ein Drittel der Einwohner arbeitete in der Gem., in der zahlreiche Betriebe im 2. und 3. Sektor entstanden sind. Das Quartier Motto-Rongia ist geschützter Ortskern.


Literatur
Kdm TI 3, 165-182

Autorin/Autor: Daniela Pauli Falconi / CN