29/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Feuerthalen

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Linksufriger Brückenkopf der Stadt Schaffhausen, mit dem Dorf Langwiesen (Zivilgem. bis 1947). 876 Langewisa; 1318 Fuirtal an dem Rine (in Schaffhauser Urkunden auch ohne Ortsnamen enhalbs Rhins). 1467 56 Erwachsene; 1634 205 Einw.; 1739 300; 1836 665; 1850 769; 1900 1'992; 1950 2'739; 1960 2'961; 1990 2'772; 2000 2'973.

Anders als Langwiesen war F. eine späte Gründung an der Rheinfurt bei Schaffhausen. Die erste Brücke wurde vor 1259 erstellt; Nachfolgebauten entstanden 1480, 1550-1611, 1759 (Hans Ulrich Grubenmann, im Krieg 1799 zerstört), 1805 (Andreas Widmer) sowie 1965. Die ganze Brücke mit dem 1847 abgebrochenen diesseitigen Torturm gehörte zu Schaffhausen, was 1470, 1555 und noch 1895 zu Grenzstreitigkeiten führte. F. zählte zur Herrschaft Laufen, die Zürich hochgerichtlich ab 1452, niedergerichtlich ab 1544 unterstand. Die Bf. von Konstanz hatten bis 1798 die Busskompetenz bis zu neun Schilling. F. war in Laufen kirchgenössig. 1390 wird die Kapelle St. Leonhard erwähnt, in der aber Geistliche der Schaffhauser Pfarrkirche die Messe lasen. Ab 1581 durften die Anwohner von F. in Schaffhausen die Predigt besuchen, für die Sakramente blieb weiterhin Laufen zuständig. 1630 wurde die Kapelle F. instand gestellt. 1675 bildete F. mit Langwiesen eine eigene Kirchgemeinde. 1966 wurde die kath. Kirche erbaut.

Die Steuerbücher weisen schon für das 15. Jh. einen Ehgrabenrumer (Kloakenreiniger) sowie in den Weinbergen der Stadtbürger arbeitende Rebleute aus, was den Vorstadtcharakter von F. unterstreicht. Auch die ökonom. Tabellen von 1771 und die Volkszählung von 1850 belegen, dass die vorindustrielle Wirtschaft F.s nicht agrarisch, sondern gewerblich geprägt war. Allerdings wachte die Stadt Schaffhausen darüber, dass ihre Monopole in Gewerbe, Handel, Transport und Fischerei nicht geschmälert wurden. Zürich setzte sich nur bedingt für seine Landleute ein, um nicht den Zerfall der eigenen Gewerbehoheit zu präjudizieren. Obwohl nur in Besitz von sehr beschränkten Marktrechten, nützten die Leute von F. und Zuzüger geschickt die Nischen aus, die das Zunftrecht von Schaffhausen offenliess. F. wurde so eine "innovative Grauzone" (Posamenterweberei, Färberei, Strumpfweberei) und fügte sich nach 1800 rasch in den Wirtschaftsraum Schaffhausen ein. 1839 wurde die Strecke nach Andelfingen zur Kunststrasse ausgebaut, 1895 die Eisenbahnverbindung Schaffhausen-Stein am Rhein erstellt. Diverse Unternehmen siedelten sich in F. an: 1837 die Schlauchweberei Marty, 1865 die Carl Theodor Amsler (Feuerlöschgeräte, ab 1909 Fahrräder und Motorfahrräder), 1870 die Schiffswerft Langwiesen sowie 1968 die Sinar, eine Fabrik für Fachkameras. Die Siedlungserweiterung im 20. Jh. erfolgte auf den höher gelegenen Terrassen des Cholfirsts, während der Ortskern am Brückenkopf in den 1960er Jahren seine zentralen Funktionen an das nahe Schaffhauser Stadtzentrum verlor.


Literatur
– H. Kläui, 1100 Jahre Langwiesen, 1976
Schaffhauser Magazin 3, 1986
– W.U. Guyan, F., 1990

Autorin/Autor: Martin Illi