Merian

Führende Patrizierfamilie in Basel, die vermutlich aus dem fürstbischöfl. Muriaux bei Saignelégier stammt und sich im 15. Jh. in zwei Linien teilte. Als Stammvater gilt Theobald Meria (1415-1505), auch Diepold Muria genannt, bischöfl. Meier in Courroux. Sein Sohn und Gründer der älteren Linie Theobald (um 1465-1544), Schiffmann (Schiffer) und Inhaber einer Sägemühle in Kleinbasel, erlangte 1498, Burkard (1518 bis nach 1562), ein Nachkomme der jüngeren Linie, 1553 das Bürgerrecht.

Als Angehöriger der älteren Linie kaufte sich 1595 Onophrion (1566-1621) in die Safran- und die Schlüsselzunft ein. Mit seinem gleichnamigen Sohn (1593-1665), der Ratsherr und Landvogt in Riehen war, rückten die M. in den kleinen Kreis der ratsfähigen, führenden Basler Fam. auf. Hier knüpften sie Beziehungen und gingen bis zum 19. Jh. Heiratsverbindungen ein, u.a. mit den Burckhardt, Faesch, Forcart, Sarasin, Stähelin, Thurneysen, Werthemann und Wieland. Die Nachkommen Onophrions bildeten den wohl bedeutendsten Zweig der M. Sie waren Handelsherren, Fabrikanten, Bankiers, Offiziere und Gelehrte. Zu nennen sind Johann Jakob ( -> 10), Bürgermeister und Eisenwerkbetreiber, Samuel ( -> 19), Bürgermeister und Mitinhaber einer Bank, die beiden Brüder Johann Jakob ( -> 11) und Christoph ( -> 6), die das grösste Handelsunternehmen im Basel des 18. Jh. und frühen 19. Jh. gründeten, und Christoph ( -> 7), der Sohn des Letztgenannten, der mit seinem Vermögen die Basis für die Christoph-Merian-Stiftung der Stadt Basel legte, sowie der Ratsherr und Geologieprofessor Peter ( -> 17).

Zur jüngeren Linie der Fam. zählen Gastwirte, Säger, Dielenhändler, Zimmerleute, Bäcker, Pfarrer und insbesondere der nach Frankfurt am Main ausgewanderte Kupferstecher, Maler und Verleger Matthaeus ( -> 15) sowie dessen Kinder Matthäus ( -> 16) und Maria Sibylla ( -> 14). In Basel am bedeutsamsten war Andreas ( -> 4), der machtvolle Bürgermeister und Schweizer Landamman von 1806. Sein gleichnamiger Sohn wurde als Staatsrat in den russ. Adel erhoben. Die jüngere Linie verzweigte sich weiter nach Frankreich, Dänemark, Brasilien und in die USA.


Archive
– StABS
– SWA, Hs. 267
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 288-314; 10, 149-373
– M. Stromeyer, M.-Ahnen aus 13 Jahrhunderten, 8 Bde., 1963-67
NDB 17, 134 f.

Autorin/Autor: Hermann Wichers