11/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bernoulli

Basler Gelehrten- und Kaufherrenfamilie mit bedeutenden Mathematikern im 18. Jh. Die Herkunft der B. aus Antwerpen ist gesichert, hingegen lässt sich die Verwandtschaft mit niederländ. Truppenführern (Bornouilla, Bernoullie) des 15. bis 17. Jh. und den span. Kaufleuten de Bernuy (Bernoille, Bernouille) nicht belegen. Die Nachfahren des Chirurgen Leon (gestorben 1561 in Antwerpen) waren begüterte Kolonialwarenhändler. Sein Sohn Jacob (gestorben 1582) wurde 1570 in Frankfurt am Main als Refugiant und Haupt der Lutheraner eingebürgert und begründete dort die noch bestehende Linie der Bernoully. Dessen Enkel Jacob (1598-1634) wurde 1622 Bürger von Basel. Er und sein einziger Sohn Niklaus (1623-1708) galten durch ihre berufl. Tüchtigkeit und Heirat in einflussreiche Fam. sofort als Vollbürger und bekleideten öffentl. Ämter, so im Gr. und Kl. Rat. Von Nicolaus' vier Söhnen wurde Johann ( -> 9) Ahnherr des umfangreichen, Hieronymus des kleineren Zweiges, die beiden andern Zweige erloschen bald. Die Brüder Jacob ( -> 7) und Johann ( -> 9) bauten v.a. die Leibniz'sche Infinitesimalrechnung zu neuen Wissenschaftszweigen aus. Ihre Resultate wurden durch drei Generationen in der Familie, so durch Daniel ( -> 3), Jacob ( -> 8), Johann ( -> 10), Johann ( -> 11), Nicolaus ( -> 13), Nicolaus ( -> 14), und an Schüler (Jacob Hermann, Leonhard Euler) weitergegeben sowie durch Publikationen und Briefwechsel (ca. 8'000 erhaltene Briefe) verbreitet, wodurch Basel zu einem Zentrum europ. Mathematik wurde. Nachkommen von Johann ( -> 9) - zu diesen zählen auch Carl Albrecht ( -> 1), Elisabeth ( -> 4), Eva ( -> 5), Hans ( -> 6) und Johannes ( -> 12) - erwarben Grundbesitz in vornehmen Stadtvierteln und heirateten in geachtete Familien. Bis ins 19. Jh. waren sie, wie auch die angeheirateten Männer, als Handelsleute oder Akademiker tätig, einige bekleideten öffentl. Ämter. Aus der Linie des nach Berlin emigrierten Johann ( -> 11) stammen Kaufleute und Offiziere in franz. Diensten. Im Hieronymuszweig finden sich über mehrere Generationen Spezierer, Drogisten und Apotheker, die miteinander verflochtene Handelsfirmen gründeten, ab ca. 1850 auch vermehrt Ärzte und Pfarrer. Wissenschaftler, Forscher und Gelehrte haben den Basler Museen umfangreiche ethnolog., zoolog. und musikal. Sammlungen vermacht. Strassen, geogr. Orte, Mondkrater, Pflanzen und Fossilien sind nach B. benannt.


Archive
– StABS, FamA
– UBB, FamA
Literatur
– R. Bernoulli, Die Fam. B., 1972, (mit Stammtaf.)

Autorin/Autor: René Bernoulli-Sutter