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Kölner, Johann Rudolf

geboren 22.8.1800 Basel, gestorben 28.1.1877 Liestal, ref., von Basel und (vermutlich ab 1832) von Augst. Sohn des Johann Heinrich, Lehrers, und der Anna Margaretha geb. Rosenburger. ∞ 1823 Anna Christina Langmesser, von Basel. Gymnasium in Basel, Beginn des Stud. der Jurisprudenz in Basel, 1820 Ausbildung zum Sergeanten und Sekr. eines Kriegsgerichts in einem Schweizerregiment in Frankreich. 1821-31 Lehrer und Dichter in Basel. Als offener Freidenker geriet K. oft in Konflikt mit seinen Vorgesetzten. 1830 unterstützte er die Bevölkerung von Basel-Landschaft in ihrer Forderung nach Rechtsgleichheit. 1831 trat er mit Emil Remigius Frey zu den Aufständischen über. Von Liestal aus betätigte er sich als Volksredner, militär. Anführer und diplomat. Unterhändler bei der Tagsatzung. 1832 wurde er zum Sekr. des neuen Obergerichts Baselland bestimmt. Gegner zählten ihn damals zu den "9 Regenten, die das Provisorium von Liestal" bildeten. Seine gegen die Stadtbasler Führer gerichteten Spottverse "Aristokratentotentanz" erregten über die Kantonsgrenzen hinaus Aufsehen. K. setzte sich für die vollständige Trennung der beiden Basel ein. Immer kritisch und unbequem, schuf er sich auch im 1833 gegr. Halbkanton neue Feinde. Eine Klage an den Landrat über die neuen Behörden und die Zurücksetzung seiner Person unterschrieb er 1833 mit "Köllner der Saure". K. lebte fortan als polit. Schriftsteller ("Raurazische Lieder" 1834), Rechtsberater und Publizist auf der Landschaft, wobei er sich zwischenzeitlich immer wieder nach Basel zurückzog. Er unterstützte die Radikalen im In- und Ausland und war aktives Mitglied des 1834 gegr. Nationalvereins. 1851 verfasste er betreffend das Baselbieter Judengesetz eine Ode gegen den christl. Antisemitismus.


Literatur
– P.R. Kölner, «K. der "Saure"», in Basler Jb., 1907, 42-93, (mit Werkverz.)
– M. Leuenberger, Frei und gleich ... und fremd, 1996, 44-48
Personenlex. des Kt. Basel-Landschaft, bearb. von K. Birkhäuser, 1997, 95

Autorin/Autor: Kaspar Birkhäuser