Wurstemberger [von]

Zu Beginn des 21. Jh. noch bestehende ehem. Patrizierfamilie der Stadt Bern. Sie geht zurück auf Simon (gestorben 1548), der erstmals 1512 in Bern als Färber erwähnt wird und 1532 in den Gr. Rat gelangte. Sein Sohn Simon (gestorben 1577) wurde 1559 in den Kl. Rat gewählt. Mit dessen Söhnen, den Grossräten Simon (1549-1621) und Hans Rudolf (1550-1605), teilte sich das Geschlecht in zwei Linien. Während die ältere bei der Gesellschaft zu Webern verblieb, wechselte Hans Rudolf zur Gesellschaft zu Pfistern. Beide Linien brachten zahlreiche Gross- und mehrere Kleinräte hervor. Drei der fünf Kleinräte zu Pfistern - Johann Rudolf ( -> 4), sein Sohn Emanuel ( -> 1) und Karl ( -> 7) - wurden Venner. Von der 2. Hälfte des 17. bis zu Beginn des 19. Jh. wandten sich mehrere Familienmitglieder dem Solddienst zu, jedoch ohne über den Hauptmannsrang hinaus aufzusteigen. In der bern. Miliz hingegen brachten es Johann Rudolf ( -> 5), der Venner Karl, Hans Rudolf (1715-1756), Johann Rudolf ( -> 6) und Johann Ludwig ( -> 3) bis zum Oberst. Im 19. Jh. wurden die W. in bürgerl. Berufen tätig, so Ludwig-Friedrich ( -> 9), Hans Ludwig ( -> 2), dessen Bruder Rudolf ( -> 13), Rudolf Emanuel ( -> 12) und René ( -> 10). Sophie Dändliker-von W. gründete mit ihrem Gatten in Bern das Diakonissenhaus. Einzelne Familienmitglieder wanderten als Kaufleute und Farmer nach Amerika aus. Seit dem 19. Jh. erweiterte sich der im Ancien Régime auf das bern. Patriziat beschränkte Heiratskreis. Die W. verfügten über die Herrschaften Vesancy (Pays de Gex, Ende 16./Anfang 17. Jh.), Trévelins bei Aubonne (1627-1716) und Kehrsatz (1692-1720), über umfangreiche Rebgüter in Mont-sur-Rolle und Haut-Vully sowie über mehrere Landsitze, darunter Holligen (Gem. Bern), Beitenwil (Gem. Rubigen) und Wittigkofen (Gem. Muri bei Bern). Die Linie zu Pfistern trägt seit 1858 das Prädikat "von", jene zu Webern verwendet es seit 1878.


Literatur
– F.L. Wurstemberger, Stamm-Reg. der Fam. W. in Bern, Ms., 1828; fortgesetzt von S.L.R. Wurstemberger, 1880 (BBB)
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 671-677; 4, 719-728
– von Rodt, Genealogien 6, 216-236

Autorin/Autor: Hans Braun