Steiger [von] (BE, weisse)

Fam. der Stadt Bern mit Stubenrecht zu Obergerbern. Sie führt den weissen Steinbock im Wappen und seit 1838 teilweise das Prädikat "von". Stammvater ist Jost (gestorben 1497), der 1452 als Berner Grossrat erscheint. Sein Sohn Bartlome (gestorben 1513) gelangte in den Kl. Rat, sein Urenkel Hans ( -> 28) wurde 1562 Berner Schultheiss. Dieser erwarb in der Waadt mehrere Herrschaften, von denen die Freiherrschaft Rolle samt Mont-le-Grand und Mont-le-Vieux sowie die Herrschaften Bière und Begnins über rund 200 Jahre in der Fam. weitervererbt wurden, genauso wie die Herrschaft Münsingen samt Niederwichtrach. Sein älterer Sohn Hans (1573-1621) begründete die Linie von Rolle, sein jüngerer Sohn Georg (1575-1611) diejenige von Münsingen. Infolge der starken Verzweigung der Linie von Rolle gehörten die S. bald zu den zahlenmässig grössten und im Gr. Rat stark vertretenen Familien. Sie sassen auch kontinuierlich im Kl. Rat, wo Isaak ( -> 32) zum Schultheissen, Franz Ludwig (1704-55) zum Deutschseckelmeister und Albrecht Bernhard ( -> 3) zum Venner zu Gerbern aufstiegen. Ausserdem brachte die zur zweiten Klasse der sog. edelvesten Geschlechter gezählte Fam. mit Isaak ( -> 33) und Beat Ludwig ( -> 10) zwei Solddienstgeneräle in österr. bzw. holländ. Diensten hervor sowie mit Johann Rudolf ( -> 40) einen eidg. Generaladjutanten. Nach dem Untergang des Ancien Régime wandten sich die S. v.a. als Juristen, Ingenieure und Kaufleute bürgerl. Berufen zu und weiteten ihren traditionell auf das Patriziat begrenzten Heiratskreis auf das moderne Bürgertum aus. Dies trug dazu bei, dass Edmund ( -> 15), Adolf ( -> 2) und Eduard ( -> 18) in höchste polit. Stellungen aufstiegen. Etliche Mitglieder wanderten u.a. in die USA und nach Australien aus. Dort vermehrte sich die Fam. nochmals so stark, dass sie zu Beginn des 21. Jh. zu den grössten Berner Patriziergeschlechtern zählte.


Archive
– BBB
Literatur
Genealogie des Geschlechtes von S. (weiss) von Bern, 2 Bde., 1906-30
Schweiz. Geschlechterbuch 2, 518-544; 6, 656-675
– von Rodt, Genealogien 5, 31-92
– C.F. von Steiger, Die Nachkommenschaft des Karl Friedrich von S.-Riggisberg, 1755-1832, 1969

Autorin/Autor: Hans Braun