Jenner [von]

Zahlreiche, vermutlich aus Kirchdorf (BE) stammende bern. Patrizierfamilie, die auf den Bader und Grossrat Rudolf (gestorben 1555) zurückgeht und sich seit 1787 "von J." nennt. Mit Rudolfs Enkeln, dem Grossrat Hans Rudolf (1541-1607) und dem Kleinrat Abraham (1592-1632), teilte sich das Geschlecht in die "rote", 1866 erloschene Linie zum Mohren und die "schwarze" zum Mittellöwen, die sich in mehrere Äste aufspaltete. Samuel ( -> 7), Enkel des erw. Abraham, begründete den 1833 ausgestorbenen älteren Ast zum Affen. Die mit zahlreichen anderen regimentsfähigen Geschlechtern verschwägerte Fam. war ab 1518 über beide Linien bis zur Mediation und Regeneration zahlreich im Berner und im Fall von Rudolf Ludwig (1768-1806) auch einmal im Aargauer Gr. Rat vertreten und stellte ab 1614 mehrere Kleinräte. Der jüngere Ast der "schwarzen" Linie brachte mit Samuel ( -> 6), Sohn des Kleinrats Abraham (1592-1632) und Begründer des Astes, sowie mit Franz Ludwig (1725-1804) zwei Venner zu Gerbern hervor und stellte mit Abraham Rudolf Ludwig ( -> 1) ab 1831 einen Berner Regierungsrat.

Einzelne Mitglieder der "schwarzen" Linie ergriffen Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jh. den Pfarrerberuf, bevor im 18. Jh. in der ganzen Fam. der Solddienst an Bedeutung zunahm. Dessen wichtigste Exponenten waren Samuel ( -> 8), Maréchal de camp in Frankreich, und Johann Ludwig Nikolaus ( -> 5), Generalmajor aller Schweizer Regimenter in den Niederlanden. Daneben gingen mit Samuel ( -> 7) ein Architekt und mit Gottlieb ( -> 3) ein Rechtsgelehrter hervor. Zu den wichtigsten Besitzungen der Fam. gehörte die Twingherrschaft Utzigen, wo Samuel ( -> 6) das Schloss neu erbaute.

Der mittlere Ast der "schwarzen" Linie besteht als einziger bis heute. Seine zwei Zweige verarmten aber Ende des 18. Jh. und waren nach 1798 nicht mehr in den kant. Behörden vertreten. Der eine Zweig wandte sich dem Handwerk und Gewerbe sowie der Landwirtschaft zu und nahm niedere und mittlere Beamtenstellungen ein, die Nachkommen des anderen Zweiges wirken seither als Kaufleute, Bankiers, Fürsprecher und Ingenieure.


Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 2, 251-261; 6, 306-309
– von Rodt, Genealogien 3, 99-129

Autorin/Autor: Hans Braun